Wenn du nach links schaust, hinauf zur Betonfläche auf dem Letná-Hügel, siehst du ein riesiges Metronom, das unermüdlich hin und her tickt.
Der Sockel darunter wirkt wie ein harmloser Aussichtspunkt … war aber ursprünglich für etwas deutlich Düstereres gebaut: Hier stand früher das Stalin-Denkmal.
Nachdem die Kommunistische Partei im Jahr neunzehnhundertachtundvierzig die Macht übernommen hatte, bestellte sie eine Statue, die zur größten Darstellung von Josef Stalin weltweit werden sollte. Propaganda in Übergröße, sozusagen, mit Blick über die Innenstadt. Das Monument war etwa fünfzehn Meter hoch, rund zweiundzwanzig Meter lang und wog siebzehn Millionen Kilogramm.
So ein Koloss entsteht nicht ohne Kosten. Im Jahr zweitausendeinundzwanzig fanden Archäologinnen und Archäologen hier im Park die Fundamente eines Zwangsarbeiterlagers. Zwangsarbeit heißt: Menschen müssen unter Druck und ohne echte Wahl arbeiten. In Akten ist von drei Holzbaracken die Rede, voll mit Soldaten und Personen, die das Regime als politisch unzuverlässig einstufte. Acht Leute pro Zimmer, kaum Ausstattung. Und trotzdem bekam die Statue bei der Enthüllung am ersten Mai neunzehnhundertfünfundfünfzig den offiziell erstaunlich freundlichen Titel: „Ein Denkmal der Liebe und Freundschaft“. Klingt fast gemütlich.
Von Anfang an lag ein Schatten über dem Projekt. Der Bildhauer Otakar Švec nahm sich nur wenige Tage vor der großen Einweihung das Leben. Und politisch war das Timing ebenfalls katastrophal: Stalin war schon im März neunzehnhundertdreiundfünfzig gestorben. Kurz darauf begann in der Sowjetunion die Entstalinisierung, also der Versuch, seine Politik zurückzudrehen und Abstand zu seinem brutalen Erbe zu gewinnen. Das größte Stalin-Denkmal der Welt wurde damit zum Problem. Ende neunzehnhundertzweiundsechzig sprengte die Regierung es heimlich mit rund achthundertsechzehn Kilogramm Sprengstoff. Die zerborstenen Granitreste liegen bis heute in den unterirdischen Kammern unter dem Sockel.
Diese Bunker bekamen später ein seltsames zweites Leben: Nach dem Ende des Kommunismus sendete dort neunzehnhundertneunzig ein Piratensender namens Radio Stalin, danach zog Prags erster Rockclub ein. Und im Jahr neunzehnhundertsechsundneunzig stand hier kurzzeitig sogar eine etwa elf Meter hohe Michael-Jackson-Statue als Werbegag für eine Welttournee. Heute gehören die flachen Steinflächen vor allem den Skaterinnen und Skatern.
Ganz schöner Wandel für einen Ort, der mal von einem Diktator dominiert wurde. Wenn du bereit bist, gehen wir weiter Richtung Karlsbrücke.


