Schau nach links nach vorn: ein stattliches, cremefarbenes Gebäude mit gefühlt endlosen hohen Fenstern. Daneben elegante Steinsäulen, und in der Mitte eine große Holztür, die so tut, als käme gleich ein Kutscher mit wichtiger Miene heraus.
Du stehst hier vor dem Liechtenstein-Palais auf der Insel Kampa. Das war einmal Revier der fürstlichen Familie Liechtenstein, und glaub mir: Die verstanden etwas von Auftritten. Hinter diesen Mauern wurden Bälle gefeiert, Kleider wirbelten, bei Kerzenschein wurde dinniert, und irgendwo steckte bestimmt auch ein bisschen höfische Intrige drin. Ein Palast ohne Drama ist ja wie Prag ohne Kopfsteinpflaster.
Und jetzt kommt die Pointe: Das ist nicht einmal das berühmteste Liechtenstein-Palais in Prag. Den Ruhm kassiert der Verwandte am Malostranské náměstí, der heute als Musikkonservatorium dient. Ein Konservatorium ist eine Hochschule, an der man Musik professionell studiert, also mit Konzerten, Opern und viel Übestunden-Fleiß.
Aber dieses Haus hat seinen eigenen Zauber. Stell dir vor, wie die Vergangenheit durch die Fenster späht, als würden adlige Gäste immer noch prüfen, ob ihre Einladung endlich eingetroffen ist. Also, genieße den Anblick, und pass auf, dass du keinem unsichtbaren Ballgast in die Quere kommst. Weiter geht’s!



