
Zu Ihrer Rechten steht eine blasse, barocke Steinfassade in hohen, gestaffelten Ebenen, geformt mit geschwungenen Voluten und einem zentralen Giebel, die von Statuen weit über dem tieferen Dach dahinter überragt wird. Dies ist die Karl-Borromäus-Kirche, einst das große Prunkstück der Jesuiten in Antwerpen. Zwei Männer dieses Ordens prägten sie: François d'Aguilon, ein Mathematiker und Rektor, zeichnete die ersten Pläne, und Pieter Huyssens, der in Italien ausgebildet wurde, setzte sie zwischen sechzehnhundertfünfzehn und sechzehnhunderteinundzwanzig um. Ihre Zusammenarbeit war nicht ganz konfliktfrei. Rom missfielen d' Aguilons frühe Entwürfe, und nach dessen Tod übernahm Huyssens das Kommando und verlieh der Kirche ihren selbstbewussten, theatralischen Barockcharakter. Dieser Stil war wichtig. Diese Kirche gehört zur Gegenreformation, der Antwort der katholischen Kirche auf die protestantische Reform, als Schönheit, Drama und Pracht das Herz ebenso bewegen sollten wie den Verstand. Die Front orientiert sich an der Chiesa del Gesù in Rom, der Mutterkirche der Jesuiten, und sie spielt einen cleveren Trick: Die Fassade ragt etwa acht Meter höher auf als die Kirche dahinter, sodass das Gebäude vom Platz aus noch imposanter wirkt. Ihre Identität wandelte sich mit der Geschichte. Zuerst ehrte sie Maria, dann Ignatius von Loyola, den Gründer der Jesuiten. Nachdem die Herrscher den Jesuitenorden siebzehnhundertdreiundsiebzig unterdrückt hatten, erhielt die Kirche den Namen Karl Borromäus, des Erzbischofs von Mailand. Seit achtzehnhundertdrei dient sie als Pfarrkirche. Im Inneren war sie einst so überwältigend, dass man sie den Marmortempel nannte, sogar das achte Weltwunder. Rubens steuerte Gemälde und Skulpturen bei, und seine Werkstatt füllte die Seitenschiffe mit neununddreißig Deckengemälden. Dann, am achtzehnten Juli siebzehnhundertachtzehn, schlug der Blitz ein. Ein Feuer raste durch das Innere und zerstörte fast all diese Pracht. Jan Pieter van Baurscheit der Ältere baute die Kirche nüchterner wieder auf, obwohl die Apsis und die Marienkapelle noch immer auf die alte Extravaganz hindeuten. Zum schnellen Vergleich zeigt das Bild den Platz, wie er sich von neunzehnhundertsiebzig bis heute enorm verändert hat, während diese Fassade der unbestrittene Star bleibt. Ein Wunder überlebte im Inneren: ein Flaschenzugsystem aus dem siebzehnten Jahrhundert hinter dem Hochaltar, das das riesige Altarbild noch heute dreimal im Jahr von Hand austauscht. Wenn Sie auf Ihren Bildschirm blicken, zeigt das Altarbild die Art von Bühnentechnik, die in die Kirche selbst eingebaut wurde. Drei Gemälde rotieren dort noch immer: Die Kreuzaufrichtung von Gerard Seghers, Die Krönung Mariens von Cornelis Schut und Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel von Gustaaf Wappers.

Die westliche Front der Kirche im historischen Zentrum von Antwerpen, ein wichtiges Beispiel für barocke Pracht der Gegenreformation.












