
Auf der linken Seite sehen Sie eine dunkle Bronzefigur, die über einem zerklüfteten Steinhügel thront, einen Arm weit über Meerjungfrauen und eine abgetrennte Hand ausgestreckt.
Dies ist der Brabobrunnen, der achtzehnhundertsiebenundachtzig mitten auf dem Grote Markt, direkt vor dem Rathaus, enthüllt wurde. Er erzählt Antwerpens beliebteste Entstehungsgeschichte ganz ohne Zurückhaltung. Der Legende nach kontrollierte ein Riese namens Druon Antigoon den nahegelegenen Fluss Schelde und forderte von den Bootsleuten einen Wegezoll. Weigerten sie sich, hackte er ihnen die Hand ab und warf sie in den Fluss. Dann kam Silvius Brabo, ein junger römischer Soldat, der den Riesen tötete, ihm im Gegenzug die Hand abhackte und sie weit weg schleuderte.
Der Bildhauer Jef Lambeaux wählte den dramatischsten Moment, den man sich vorstellen kann: nicht den Kampf, nicht den Sieg, sondern den Wurf selbst. Brabo balanciert hoch über Ihnen, fast schwebend. Unter ihm türmt Lambeaux eine ganze, unbändige Welt auf: den nackten, geköpften Körper des Riesen, ineinander geschlungene Meerjungfrauen und Meereskreaturen, darunter eine Schildkröte, ein Drache, ein Seelöwe und Fische. Die Meerjungfrauen heben eine kleine Festung mit drei Türmen empor, eine Anspielung auf das Wappen von Antwerpen. Und das Wasser des Brunnens spielt seine eigene grimmige Rolle, indem es aus dem abgetrennten Handgelenk des Riesen sprudelt, als sei die Wunde noch frisch. Es ist Mythos, der zu städtischem Theater geworden ist.
Wenn Sie die alten und neuen Bilder in der App vergleichen, können Sie sehen, dass sich der Platz im Jahr neunzehnhundertdreizehn eher wie eine formelle städtische Bühne anfühlte, während er heute das polierte Postkartenherz der Stadt ist, mit Brabo, der immer noch fest das Kommando führt. Hinter all dieser Legende verbirgt sich eine schöne politische Ebene. Bevor Brabo ankam, stand an genau dieser Stelle eine Reihe von Freiheitsbäumen, die ab den siebzehnhundertneunziger Jahren während der französischen Revolutionsbesatzung gepflanzt wurden. Sie symbolisierten die Freiheit von der österreichischen Herrschaft. Bis achtzehnhundertzweiundachtzig war der letzte Baum verdorrt. Antwerpen traf dann eine bezeichnende Wahl: Anstatt ein weiteres importiertes politisches Symbol zu ersetzen, pflanzte die Stadt ihre eigene Folklore hier in Bronze und Stein. Ein lokaler Mythos übernahm den Platz eines revolutionären Emblems.
Lambeaux zeigte achtzehnhundertdreiundachtzig erstmals ein Gipsmodell, und die öffentliche Begeisterung half dabei, den Auftrag zu sichern. Ein Vermächtnis von August Nottebohm half bei der Finanzierung, und die Brüsseler Gießerei namens Compagnie des Bronzes goss die endgültigen Figuren. Lambeaux arbeitete fast drei Jahre an dem Denkmal, und man spürt diese Anstrengung in seiner Energie. Er liebte Bewegung, Muskeln und Provokation; später sollten Kritiker eines seiner Werke als „Marmor-Bordell“ angreifen. Hier ist dieselbe physische Kraft bereits sichtbar, wenn auch vielleicht etwas respektabler für den Stadtplatz gekleidet.
Noch eine lokale Besonderheit: Brabo scheint die Hand in Richtung der Stadt zu werfen, nicht in Richtung des Flusses. Das war Absicht. Hätte der Bildhauer ihn auf die Schelde ausgerichtet, hätte es so wirken können, als würde er dem Rathaus den Rücken kehren, oder schlimmer noch, als würde er die Hand direkt darauf werfen. Niemand wollte dieses spezielle Missverständnis.
Einheimische verbinden den Namen Antwerpen immer noch mit „hand werpen“, also „eine Hand werfen“, obwohl Historiker vermuten, dass der wahre Name von älteren Wörtern für eine Werft oder einen erhöhten Flussboden stammen könnte. Die Legende hat sich natürlich als weitaus einprägsamer erwiesen, und Sie werden die Hand überall in Antwerpen finden, sogar in den kleinen handförmigen Schokoladen und Keksen, die in der ganzen Stadt verkauft werden.
Als öffentliches Denkmal auf dem Platz können Sie den Brunnen zu jeder Tageszeit besuchen.
Brabo macht aus einer blutigen Legende das stolze Markenzeichen der Stadt.
Wenn Sie bereit sind, gehen Sie weiter in Richtung Liebfrauenkathedrale.








