
Zu Ihrer Linken befindet sich eine blasse Renaissance-Fassade aus Stein mit Rundbogenfenstern, einem breiten Bogenportal und einem Balkon mit Steinbalustrade über dem Eingang. Dies ist das Grazer Landhaus, das sich mit dem Selbstbewusstsein eines Gebäudes präsentiert, das dazu beigetragen hat, bürgerliche Pracht in Graz zu begründen. Zwischen 1527 und 1531 begannen lokale Baumeister, diesen Komplex in etwas weitaus Ambitionierteres zu verwandeln als die gewöhnlichen Stadthäuser, die zuvor hier standen. Ab 1557 verlieh der italienische Architekt Domenico dell’Allio dem Hauptflügel an der Herrengasse seinen bleibenden Charakter. Das Ergebnis wurde zum ersten Renaissance-Gebäude in der steirischen Hauptstadt und ist bis heute eines der bedeutendsten zivilen Renaissance-Bauwerke in Mitteleuropa. Seine Geschichte ist ebenso politisch wie architektonisch. Im Jahr 1494 kauften die steirischen Stände - also die regionale Körperschaft aus Adel, Klerus und Stadtvertretern - hier ein Anwesen für ihre Büros und eine Kapelle. Bald benötigten sie mehr Platz. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts hatten diese Stände offen eine protestantische Identität angenommen, während die katholischen Herrscher in der Nähe in der Burg ihre Macht ausübten. Es handelte sich also nicht nur um Büroflächen. Es war ein Statement in Stein: geordnet, gelehrt, italienisch geprägt und unverkennbar selbstbewusst. Selbst von hier draußen kann man einen Teil dieses Anspruchs ablesen. Das Rundbogenportal stammt aus der Renaissance, und darüber befindet sich ein Balkon auf schweren Steinkonsolen mit einem Kupferdach, dessen Unterseite gemalte Grotesken aus der Restaurierung von 1890 trägt. In der Nähe des Eingangs hängt eines der charmantesten und zugleich strengsten Details des Gebäudes, die Rumortafel, eine Kupferplatte von 1588, die „Rumoren und Zanken“ unter Strafandrohung verbot. Anscheinend mussten selbst angesehene Versammlungen daran erinnert werden, sich nicht wie Raufbolde in einer Schenke zu benehmen. Was die Straße nicht vollständig offenbaren kann, ist das Wunder hinter dieser Fassade. Das Bild des Innenhofs zeigt den großen Hof: drei Arkadengeschosse mit rhythmischen Bögen, flachen klassischen Stützen, sogenannten Pilastern, und Galerien, die Stein wie Spitzenwerk erscheinen lassen. Dieser luftige Hof bleibt einer der prägenden Räume des Landhauses. Heute finden dort Veranstaltungen statt, aber seine Proportionen zeugen immer noch von Macht, Zeremoniell und sorgfältiger Kontrolle.

Der Komplex wuchs über Jahrhunderte: ein Rittersaal in den früheren Flügeln, eine im 17. Jahrhundert hinzugefügte Kapelle und die barocke Landstube, die heute als Sitzungssaal des steirischen Landtags dient. Hoch oben trägt der kupferverkleidete Dachreiter noch immer den steirischen Panther, und seine Glocke, die in den 1680er Jahren gegossen wurde, überstand jeden kriegsbedingten Befehl, Metall einzuschmelzen. Die Außenansicht ist zu jeder Zeit zugänglich, sodass Sie jederzeit für einen weiteren, ungestörten Blick zurückkehren können. Das Landhaus ist Graz in konzentrierter Form: diszipliniert, politisch und unerwartet anmutig. Wenn Sie bereit sind, gehen Sie weiter in Richtung Hauptplatz, wo sich das öffentliche Leben der Stadt in die Weite erstreckt.

Vom Zeughaus aus gesehen verdeutlicht dieser Winkel, wie das Landhaus Teil eines größeren zivilen Renaissance-Komplexes rund um die Innenhöfe bildet.













