
Vor Ihnen erstreckt sich ein weitläufiger Park mit geschwungenen Kieswegen und doppelten Alleen, wobei der dunkle gusseiserne Stadtparkbrunnen als markantestes Merkmal hervorsticht. Der Grazer Stadtpark wirkt heute sanft, doch er begann als etwas ziemlich Strenges. Bis zum späten neunzehnten Jahrhundert bildete dieses Gelände das Glacis - den offenen, geräumten Streifen vor den Stadtmauern, an dem Soldaten eine freie Sicht benötigten. Im Jahr achtzehnhundertachtundsechzig erreichte Graz nach jahrelangen Verhandlungen schließlich einen Landtausch mit der Militärverwaltung. Die Stadt übernahm etwa zwölf Komma sechs Hektar dieses obsoleten Verteidigungsgeländes, und das Militär erhielt den Feliferhof als Schießplatz, ein Geschäft, das durch sechsunddreißigtausend Gulden an privaten zinslosen Darlehen unterstützt wurde - das entspricht heute etwa dem Wert von mehreren hunderttausend Euro. Bürgermeister Moritz Ritter von Franck sah hier mehr als nur brachliegendes Land. Ende achtzehnhundertachtundsechzig präsentierte er einen Plan für einen öffentlichen Park, einen großen Kursalon - also einen Festsaal für Konzerte und gesellschaftliches Leben - und sogar eine Wasserversorgung. Er half auch bei der Gründung des Vereins zur Stadtverschönerung, der das Projekt über Jahrzehnte vorantrieb. Achtzehnhundertsiebzig erfolgte der erste Spatenstich und ein feierlicher Baum wurde gepflanzt. Das war aus mehr als nur ästhetischen Gründen wichtig. Die Menschen hofften, dass das neue Grün die öffentliche Gesundheit verbessern würde, zu einer Zeit, als die lokale Sterblichkeitsrate über der von Wien lag. Bis Ende achtzehnhundertzweiundsiebzig war der erste Plan fertiggestellt, maßgeblich geprägt durch den Maler Ernst Matthèy-Guenet. Er und der Verein wählten den Stil eines englischen Gartens: informell, geschwungen und natürlich wirkend, obwohl sorgfältig geplant. Jene doppelten Alleen folgten alten Dämmen. Der Park beherbergte schließlich sechshundert gusseiserne Bänke, fast eintausendneunhundertneunundachtzig Bäume und eine kleine Armee gusseiserner Laternenpfähle, deren alte Stelen aus dem neunzehnten Jahrhundert selbst nach der Elektrifizierung in den neunzehnhundertsiebziger Jahren erhalten blieben. Der Überblick hilft Ihnen, das Ausmaß dieses Wandels zu erkennen: aus einem ehemaligen militärischen Puffer wurde eine grüne städtische Landschaft. Im Herzen des Parks steht sein großes theatralisches Prunkstück, der Stadtparkbrunnen. Graz kaufte ihn achtzehnhundertvierundsiebzig, nachdem Wien das Angebot abgelehnt hatte. Die Stadt zahlte dreißigtausend Gulden - auch das eine Summe, die heute mehrere hunderttausend Euro wert ist - in zehn Jahresraten. Fünf Eisenbahnwaggons lieferten den Brunnen nach Graz, und Bürgermeister Wilhelm Kienzl schaltete ihn am vierten Oktober achtzehnhundertvierundsiebzig, dem Namenstag von Kaiser Franz Joseph dem Ersten, zum ersten Mal ein. Der Bildhauer Jean-Baptiste-Jules Klagmann entwarf die Figuren, und der Metallgießer Antoine Durenne goss sie. Jede hohle Figur wiegt etwa tausend Kilogramm, das obere Baldachin etwa drei Tonnen und die gesamte Komposition etwa dreiunddreißig Tonnen. Eine umfassende Restaurierung wurde zwanzig-fünfundzwanzig abgeschlossen und hauchte dem rissigen Becken und den schweren Eisenarbeiten neues Leben ein.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Park auch zu einer Freiluftgalerie der steirischen Erinnerung. Büsten und Denkmäler ehren Persönlichkeiten wie Johannes Kepler, Robert Stolz und Peter Rosegger. Auf Ihrem Telefon bietet das Kepler-Denkmal ein schönes Beispiel für diese ruhigere Schicht der Geschichte. Dieser Park ist also nicht nur ein Ort zwischen den Straßen, sondern Graz, das eine alte Verteidigungslinie in eine Landschaft der Kultur, Gesundheit und des städtischen Stolzes verwandelt.

Wenn Sie soweit sind, gehen Sie weiter in Richtung Opernhaus; falls praktische Dinge wichtig sind, die App listet hier die Öffnungszeiten von neun Uhr morgens bis halb acht abends, samstags kürzer und sonntags geschlossen.








