Halbrechts suchen Sie nach einem großen, hellen Block aus Sandstein im neoklassizistischen Stil: vorn eine breite Freitreppe, dahinter erhebt sich eine Kuppel, und an den Ecken sitzen zwei eher gedrungene Türme mit Uhren.
Das ist das General Register House, so etwas wie Edinburghs offizielles Gedächtnis. Ein Archivgebäude also - gebaut, als wolle es der Zeit persönlich die Stirn bieten. Typisch Robert Adam: klare Symmetrie, ruhige Autorität, und genau so viel Schmuck, dass es „bedeutend“ sagt, ohne gleich zu brüllen.
Bevor es diesen Bau gab, lagerten Schottlands wichtigste Unterlagen oben im Edinburgh Castle. Für Verteidigung prima, für „Ich brauche mal eben eine Rechtsurkunde von vor drei Jahrhunderten“ eher unpraktisch. Um siebzehnhundertsechzig drängte James Douglas, der vierzehnte Earl of Morton und zugleich Lord Clerk Register - das ist der oberste Hüter der Register und staatlichen Schriftstücke - auf ein eigenes Archiv-Hauptquartier in der neuen New Town. Die Regierung stellte zwölf tausend Pfund bereit, Geld aus eingezogenen Jakobiten-Gütern. Heute wären das grob zwei Millionen Pfund, also etwa zweieinhalb Millionen U-S-Dollar, je nachdem. Nichts signalisiert „Neuanfang“ so charmant wie ein Glanzbau aus den Resten eines Aufstands.
Den Auftrag bekam Robert Adam im Jahr siebzehnhundertfünfundsechzig, der Grundstein wurde am siebenundzwanzigsten Juni siebzehnhundertvierundsiebzig gelegt. Vor Ort hielt Adams Bruder John die Fäden zusammen, ein Bauaufseher namens James Salisbury kontrollierte die Arbeit, und die Meister Steinmetze John Wilson und David Henderson setzten Stein aus den Brüchen Craigleith und Hailes. Sogar Uhr und Wetterfahne wurden eigens bestellt, gefertigt von Benjamin Vulliamy.
Der Haken: Um achtzehnhundertdrei war das Haus noch nicht fertig - und man fand es schon zu klein. Archive wachsen nun mal weiter. Archibald Elliot gestaltete die Front im Jahr achtzehnhundertdreizehn um, um ein neues Souterrain zu verbergen. Später machte Robert Reid die Nordseite praktischer; endgültig fertig wurde alles achtzehnhundertvierunddreißig - rund sechzig Jahre nach der ersten Idee. Bauzeiten: verlässlich in ihrer Unverlässlichkeit.
Schauen Sie auf den Eingang: die breite, „imperiale“ Treppe - so nennt man eine repräsentative, in mehrere Läufe gegliederte Freitreppe - dazu ein Vorbau mit vier korinthischen Säulen, oben im Dreiecksgiebel das königliche Wappen. Im Innenhof liegt ein runder Lesesaal unter einer Kuppel, mit Stuckarbeiten nach Entwürfen aus den siebzehnhundertachtziger Jahren.
Vorn steht der Duke of Wellington auf einem steigenden Pferd, aufgestellt im Jahr achtzehnhundertzweiundfünfzig, und zeigt dramatisch Richtung Waterloo Place, als würde er noch Befehle geben. Zur Enthüllung waren Veteranen von Waterloo eingeladen.
Wenn Sie weiterwollen: Das National Archives of Scotland liegt ohne Gehzeit einfach geradeaus.



