
Zu Ihrer Linken sehen Sie ein stattliches Gebäude aus hellem Stein mit einer strengen, rechteckigen Form und einem bemerkenswert unscheinbaren Eingangsbereich. Hier residiert der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte, kurz EDÖB.
In unserer modernen Zeit liegt die wahre, unsichtbare Macht nicht mehr in Tresorräumen oder geheimen Aktenkoffern, sondern in der endlosen Sammlung digitaler Spuren. Überwachung und Datenauswertung formen heute eine unsichtbare Infrastruktur, die jeden unserer Schritte aufzeichnet und analysiert. Es ist eine subtile Art der Kontrolle, die völlig ohne Waffen oder sichtbare Grenzen auskommt.
Schon zur Jahrtausendwende warnte der damalige Amtsinhaber Odilo Guntern prophetisch vor dem sogenannten gläsernen Bürger und forderte vehement ein Recht auf Anonymität im aufkommenden Internet.
Wenn man diese formellen, öffentlichen Fassaden der Staatsmacht betrachtet, wirken sie oft starr und undurchdringlich. Doch hinter diesen massiven Wänden verbergen sich unsere verletzlichsten, privatesten Informationen, die der Staat über seine Bürger verwaltet. Es ist ein ständiger Drahtseilakt zwischen der öffentlichen Sicherheit und dem massiven Eingriff in die private Realität jedes Einzelnen.
Hanspeter Thür, der das Amt etwas später übernahm, führte spektakuläre Kämpfe gegen scheinbar übermächtige Technologiekonzerne. Als Google seinen Dienst Street View in der Schweiz einführte, zog Thür kurzerhand vor Gericht. Er zwang den Konzern, seine automatische Verpixelung drastisch zu verbessern und sensible Orte wie Schulen oder Frauenhäuser manuell komplett unkenntlich zu machen.
Später kam Adrian Lobsiger ins Amt. Viele befürchteten anfangs, er würde als ehemaliger Vizedirektor der Bundespolizei den Datenschutz eher aufweichen. Doch Lobsiger bewies schnell Biss. Er untersuchte Microsoft und zwang sie nach zähen Verhandlungen, die Datensammlung bei Windows 10 weltweit transparenter zu machen.
Während der Pandemie schritt er hart ein, als eine private Plattform namens meineimpfungen.ch fatale Sicherheitslücken aufwies. Die Plattform musste ihren Betrieb daraufhin komplett einstellen. Lobsiger machte unmissverständlich klar: Der Staat darf die Verantwortung für hochsensible Gesundheitsdaten nicht einfach so an private Firmen auslagern.
Auch bei der Schweizer Unfallversicherung Suva schlug er Alarm. Er warnte eindringlich davor, Schweizer Daten in eine amerikanische Cloud zu verschieben. Durch den US Cloud Act, ein amerikanisches Gesetz zur Dateneinsicht, könnten US-Behörden nämlich auf diese Informationen zugreifen, selbst wenn sie physisch hier im Land gespeichert sind. Das löste eine riesige Debatte über die digitale Souveränität der Schweiz aus.
Wir haben uns nun viel mit dem unsichtbaren Fundament der modernen Kontrolle beschäftigt. Doch auch die physische Infrastruktur, die dieses Viertel überhaupt erst möglich gemacht hat, wurde auf überaus prekären Grundlagen errichtet. Unser nächstes Ziel ist die Kirchenfeldbrücke, die etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt liegt.


