Auf der rechten Seite sehen Sie die Bank J. Safra Sarasin. Schauen Sie sich diese Fassade an. Basels historische Institutionen ruhen sich nie auf ihrer Vergangenheit aus, sondern passen sich kontinuierlich an. Diese urbane Transformation zeigt sich genau hier, wo ein 1841 gegründetes Bankhaus heute ein globaler Pionier im Bereich der nachhaltigen Finanzen ist.
Basel war schon immer ein Zufluchtsort - nicht nur für Menschen und bahnbrechende Ideen, sondern auch für... nun ja, beträchtliche Vermögen. Die Geschichte dieser Bank begann in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts mit Johannes Riggenbach, einem ehrgeizigen Sohn eines einfachen Arbeiters, der sich vom Lehrling zum Bankier hocharbeitete. Im Jahr 1900 übernahm dann Alfred Sarasin das Steuer und machte das Haus zu einer der traditionsreichsten Privatbanken der Schweiz.
Aber... wo viel Geld fließt, da gibt es auch Drama. Und diese Bank hat in den letzten Jahrzehnten einige echte Wirtschaftsthriller erlebt. Im Jahr 2011 bemerkte ein IT-Mitarbeiter namens Reto T. massive Währungskäufe auf dem Konto des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, genau bevor eine wichtige politische Entscheidung fiel. Er vermutete Insiderhandel, fotografierte die heimlichen Kontodaten und gab sie als Whistleblower weiter, also als interner Informant, der Missstände aufdeckt. Das führte zu einem riesigen politischen Skandal und dem Rücktritt des Präsidenten, ruinierte aber auch das Leben des IT-Mitarbeiters, der wegen Verletzung des Bankgeheimnisses verurteilt wurde.
Dann gab es die berüchtigten Cum-Ex-Geschäfte, eine hochkomplexe und ethisch fragwürdige Methode, um Steuern mehrfach vom Staat zurückzufordern, die eigentlich nie gezahlt wurden. Der deutsche Unternehmer Carsten Maschmeyer investierte einst vierzig Millionen Euro in diese Fonds, angeblich nachdem er seinen Freund bei der Bank einfach nach etwas richtig Geilem gefragt hatte. Als das Ganze aufflog und die Renditen ausblieben, endete es in wüsten Klagen, Todesdrohungen und dem Rücktritt des Vize-Chefs der Bank.
Trotz dieser stürmischen Zeiten hat sich das Institut neu erfunden. Nach der Übernahme durch die brasilianische Safra-Gruppe verwaltet die Bank heute rund 198 Milliarden Schweizer Franken. Und sie hat eine klare Wende vollzogen. Im Jahr 2019 gehörte sie zu den ersten Unterzeichnern der globalen Bankeninitiative der Vereinten Nationen, womit sie sich strengen Zielen für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat. Ein echter Wandel von alten elitären Strukturen hin zu globaler Verantwortung.
Falls Sie ein Konto eröffnen möchten, die Bank ist montags bis freitags von halb neun bis zwölf und wieder ab halb zwei geöffnet, an Wochenenden jedoch geschlossen. Aber behalten Sie Ihr Geld vorerst noch in der Tasche. Wir lassen diese Welt der exklusiven Privatbanken nun hinter uns und werfen einen Blick auf das komplette Gegenteil. In etwa acht Minuten erreichen wir die Bank Cler, wo wir entdecken werden, wie sich eine basisdemokratische Genossenschaftsbank in dieser Stadt behauptet.


