
Vor Ihnen liegt ein elegantes, sandfarbenes Ziegelgebäude mit einer markanten, gewölbten Bogenhalle, die sich sanft im großen rechteckigen Wasserbecken davor spiegelt. Willkommen am Partalpalast. Er wurde im frühen vierzehnten Jahrhundert erbaut und ist damit tatsächlich das älteste noch erhaltene Palastgebäude der Nasriden in der gesamten Alhambra.
Doch dieses zarte Meisterwerk sah nicht immer so friedlich aus. Während andere Paläste nach der christlichen Eroberung im Jahr 1492 von den spanischen Monarchen übernommen und gepflegt wurden, ging dieser Palast in Privatbesitz über. Das war der Beginn eines langsamen, fast tragischen Verfalls. Die neuen Besitzer hatten wenig Respekt vor der feinen Architektur. Es ist heute kaum vorstellbar, aber bis zum neunzehnten Jahrhundert war diese einst königliche Residenz zu einer schäbigen Taverne und einer dunklen Unterkunft für Hausbesetzer verkommen. Die Identität des Palastes wurde im Laufe der Jahrhunderte buchstäblich von einer neuen, rauen Kultur überschrieben.
Werfen Sie einen kurzen Blick auf Ihren Bildschirm, um das Gebäude im Ganzen zu betrachten. Im Jahr 1885 kaufte ein deutscher Bankier namens Arthur von Gwinner das völlig verfallene Anwesen. Einige Jahre später bot er großzügig an, den Palast der Stadt Granada und dem spanischen Staat zu schenken. Doch dieses Geschenk hatte einen furchtbaren Preis.
Auf der linken Seite der Bogenhalle sehen Sie einen Turm, den Torre de las Damas. In seinem Inneren befand sich eine atemberaubende, kunstvoll geschnitzte Kuppeldecke aus Holz. Von Gwinner verlangte als Bedingung für seine Schenkung das Recht, diese historische Decke komplett abzubauen und als Dekoration für seine Privatwohnung nach Berlin zu exportieren. Auf Ihrem Telefon können Sie ein Foto dieses geraubten Meisterwerks sehen. Einheimische Historiker waren absolut fassungslos und nannten diesen Handel eine beispiellose Schande, da das abgerissene Dach ein Vielfaches des gesamten Gebäudewerts betrug. Die Decke befindet sich übrigens noch heute in einem Berliner Museum.

Doch die Geschichte dieses Ortes ist zum Glück auch eine der Heilung. Im zwanzigsten Jahrhundert begannen engagierte Archäologen, den Partalpalast Schicht für Schicht zu restaurieren. Sie entfernten die nachträglich eingezogenen Wände der Taverne, ersetzten klobige Ziegelpfeiler durch schlanke Marmorsäulen und legten die kunstvollen Stuckverzierungen wieder frei, die tief unter modernen Putzschichten verborgen waren. Sie gaben dem ältesten Palast der Alhambra seine wahre Seele zurück.
Wir machen uns nun auf den Weg zu unserem allerletzten Halt, dem berühmten Hof der Löwen, der nur eine Minute zu Fuß entfernt ist. Der Palastkomplex ist übrigens jeden Tag von halb neun morgens bis zwanzig Uhr geöffnet, falls Sie später in diesem steinernen Traum noch etwas länger verweilen möchten.



