Rechts von dir siehst du einen langen, modernen Baukörper am Hafen - helle, gerippte Fassaden wie gestapelte Kisten, vorne ein farbig gestreiftes Feld mit einer riesigen „B“, das kannst du kaum verfehlen.
Das ist El Batel, Cartagenas großes Auditorium- und Kongresszentrum, direkt unten am Wasser, neben dem Unterwasserarchäologie-Museum ARQUA. Und ja: Es steht ausgerechnet hier am Hafen, wo Salzluft alles angreift, was nicht schnell genug wegläuft.
Die Geschichte startet ziemlich bodenständig: Cartagena hatte lange keinen richtigen städtischen Theaterbau, also kam die Idee auf, einen zu bauen - einfach, damit die Leute Kultur genießen können. Dann schaute man sich um und merkte: Kongresstourismus ist ein Wachstumsmarkt. Und wenn du schon ein Haus baust, warum nicht eins, das tagsüber Anzugträger mit Namensschild und abends Opern-Fans in Schals aushält? So wurde aus dem Traum vom Theater ein Mehrzweck-Hybrid: Theater, Konzertsaal und Kongresspalast in einem.
2001 schrieb man einen Wettbewerb aus, international gedacht, mit riesigem Interesse: Hunderte meldeten sich, am Ende blieben Dutzende Entwürfe auf dem Tisch einer Jury, in der Politik, Fachleute und namhafte Architekten saßen. Gewonnen hat das Madrider Büro Selgascano, José Selgas und Lucía Cano. Ihr Konzept passt zum Hafen: kein historisierendes „Schaut her, ich bin ein Palast“, sondern klare Linien, viel Funktion, und eine Außenhaut, die das Licht wie eine zweite Bühne behandelt.
Gebaut wurde ab 2004 - eröffnet aber erst Ende 2011. Warum die Geduldsprobe? Weil dieses Gebäude nicht nur nah am Meer steht, sondern teilweise rund 32 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. In einer Gegend mit sehr hohem Grundwasser heißt das: Wasser findet immer einen Weg. Es gab immer wieder Verzögerungen durch salzhaltige Leckagen, und am Ende brauchte es im Grunde einen massiven Betonbehälter als Schutz, mit dicken Bodenplatten als Gegengewicht und umlaufenden Wänden. Rom hat Aquädukte gebaut; Cartagena baut eben Betonwannen gegen das Meer.
Drinnen geht’s großzügig weiter: Die große Sala A hat 1.401 Plätze, eine starke Akustik und - mein Lieblingsdetail - du sitzt bei Konzerten quasi „unter“ dem Wasserspiegel. Später bekam sie den Namen Isidoro Máiquez, zu Ehren des berühmten Schauspielers aus Cartagena. Die kleinere Sala B fasst 444 Leute, technisch bestens gerüstet, mit Dolmetschkabinen für Kongresse; seit 2021 heißt sie Antera Baus, nach einer gefeierten Schauspielerin aus der Stadt. Dazu kommen flexible Mehrzweckräume, Ausstellungsflächen und ein riesiges Foyer, das alles kann - außer dich daran hindern, noch einen Kaffee zu wollen.
Musikalisch wurde es gleich bei der Eröffnung ernst: Im November 2011 spielte Ryūichi Sakamoto hier das erste große Konzert und füllte den Saal - ein ziemlich eleganter Startschuss für ein Gebäude, das so lange gegen Wasser gekämpft hatte.
Wenn du bereit bist: Zur Marinery-Anweisungskaserne gehst du jetzt etwa 11 Minuten nach Westen am Hafen entlang.



