Vor Ihnen sehen Sie ein kleines, weißes Gebäude mit einer rechteckigen Holztür und einer markanten Fassade, die von Pilastern eingerahmt und von einem schönen, geschwungenen Giebel mit einer kleinen Glockenöffnung gekrönt wird - halten Sie einfach mittig auf die Hausreihe, und schon entdecken Sie die Ermida do Milagre!
Stellen Sie sich jetzt vor, wie Sie im 17. Jahrhundert durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen von Santarém gehen - damals noch lauter Händler, Esel und neugierige Kinder um Sie herum. An genau diesem Platz stand einst das Haus einer Frau, deren Geschichte in der Stadt bis heute Staub aufwirbelt. Warum? Weil hier der Ursprung eines der wohl berühmtesten Eucharistie-Wunder Portugals liegt! Es war im Jahr 1226, als in der alten Hütte genau an dieser Stelle ein echtes kirchliches Krimi stattfand: Die Frau, gefangen zwischen Liebe, Verzweiflung und Schuld, wagte das Unvorstellbare und verübte ein Sakrileg. Nur wenige wissen heute noch, was im Inneren wirklich passierte, aber eines Tages ereignete sich etwas so Unglaubliches, dass es ganz Santarém in Staunen versetzte - und mit dem Brot in ihrer Hand begann das Wunder!
Die heutige Kapelle wurde erst viel später, 1663, von D. Manuel dos Reis Tavares und seiner Frau als Andenken an dieses Wunder errichtet - ein echtes romantisches Bauprojekt also! Wer hätte gedacht, dass aus so einer dramatischen Geschichte später eine der charmantesten Ecken der Altstadt wird? Schon die Fassade erzählt vom Stolz dieser Familie: Schauen Sie mal über das Portal - das steinerne Wappen zeigt das Allerheiligste Sakrament. Ein bisschen wie ein Familien-Selfie des 17. Jahrhunderts!
Im Inneren erwarten Sie bunte Stuckverzierungen an der Tonnengewölbedecke, kunstvolle Steinpfeiler und eine wunderschöne, manuelinische Weihwasser-Schale gleich rechts hinter der Tür, die auf dem Kopf steht - vielleicht ein kleiner Streich des Baumeisters? Die Kapelle besticht durch ihren Hauptaltar aus buntem Marmor, auf dem ein Thron steht, eingerahmt von barocken Ornamenten. Sogar das Grabmal der Stifter ruht hier, getragen von zwei steinernen Löwen - als würden sie für alle Zeiten wachen. Und heute, während Sie draußen in der Sonne stehen und dem Trubel der Stadt lauschen, ist es kaum zu glauben, dass einst ein Wunder und ein bisschen menschliche Schwäche zu so viel religiöser Bedeutung geführt haben. Was für eine Geschichte, oder?



