Gerade vor Ihnen erhebt sich ein imposantes, dunkel getöntes Gebäude mit prachtvoller Fassade, großen Fenstern und feinen Mosaik-Details direkt unter dem grünen Dach - halten Sie Ausschau nach dem Schriftzug "MUZEUM NARODOWE", dann wissen Sie, dass Sie richtig sind!
Willkommen vor dem Nationalmuseum in Posen! Stellen Sie sich vor, wie hier schon im 19. Jahrhundert die ersten neugierigen Besucher durch die riesigen Flügeltüren getreten sind, nicht ahnend, wie viele kleine und große Abenteuer sich hinter diesen Mauern verbergen würden. Die Geschichte dieses Hauses ist so bunt und überraschend wie eine Wundertüte - und sie beginnt tatsächlich schon lange, bevor man überhaupt ans heutige Museum dachte.
Ursprünglich war an dieser Stelle eine kleine Sammlung, die sich die Freunde der Wissenschaft - das klingt fast so geheimnisvoll wie ein Geheimbund, finden Sie nicht? - mit Liebe zusammengelegt hatten. Da waren polnische und slawische Altertümer, Münzen, alte Bücher und ein beachtlicher Vorrat an Zeichnungen, Stichen und Gemälden, alles durch großzügige Geschenke wie von Seweryn Mielżyński, der nicht nur Bücher und Bilder gesammelt hat, sondern kurzerhand auch das Grundstück kaufte. Ich stelle mir vor, wie seine Nachbarn damals staunten: Ein Mann, der Gemälde hortet als wären sie Schokoriegel! Und dann: Eine eigene Galerie im Jahr 1882 - damals heißt das alles „Mielżyński-Museum“.
Aber Moment, das Gebäude vor Ihnen kommt erst ins Spiel, als die Preußen 1894 hier ein Provinzmuseum gründen. Ihr Gedächtnisstütze: 1902 bekommt es einen kaiserlichen Namen - Kaiser Friedrich Museum - und ein brandneues, speziell dafür entworfenes Haus am Freiheitsplatz. Genau dieses Gebäude hier! Vielleicht wabert ja noch der Hauch alter Kaiserlichkeit durchs Treppenhaus - oder zumindest wundert sich der Hausmeister manchmal, wie viele bunte Geschichten die alten Steine erzählen könnten, wenn sie nur sprechen könnten.
Ab 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, wird das Museum polnisch und heißt jetzt „Muzeum Wielkopolskie“. Die Sammlung wächst: Moderne Malerei drängelt sich ins Gemenge zu antiken Fundstücken, und die Räume werden immer voller. Drei große Bereiche entstehen: Malerei & Skulptur - die Sie heute noch im Haupthaus finden -, ein archäologisches Museum und eine Naturkundesammlung beim Zoo. Stellen Sie sich den Trubel vor, wenn zwischen ausgestopften Tieren auf einmal Besucher stehen und sich fragen, ob das Gemälde an der Wand sich bewegt oder ob es doch nur der Wind war, der durchs Fenster pfiff!
Ach, und dann - wie überall - kommt der Krieg und macht ein ziemliches Chaos. Die Deutschen geben dem Museum wieder seinen alten kaiserlichen Namen, rauben die wertvollsten Kunstwerke in die Tiefen der Reichslager oder richten Zerstörung an. Besonders bei der schweren Schlacht um Posen 1945 gibt es großen Verlust, viele Stücke verschwinden, andere werden zerstört, und in den Ruinen ist es ziemlich still. Doch schon im selben Jahr beginnt der Wiederaufbau - ganz nach dem Motto: Aufgeben gibt’s nicht, wir fangen einfach nochmal von vorne an!
Seit 1950 trägt das Haus stolz seinen heutigen Namen: Nationalmuseum Posen. Und wächst weiter, als hätte es Frühlingsgefühle: Die Instrumentensammlung bekommt ihr eigenes Museum, die Geschichte von Posen wird im Rathaus gezeigt, ein russischer Schlossflügel wird für Kunsthandwerk umgebaut, draußen in Gołuchów entstehen weitere Ableger, und sogar der berühmte Adam Mickiewicz bekommt sein eigenes Andenken in Śmiełów.
Wenn Sie jetzt zur Fassade schauen, entdecken Sie vielleicht die bunten Mosaike, die in den 1970ern nach Zbigniew Bednarowicz‘ Entwurf wieder eingesetzt wurden. Und falls Sie das Gefühl haben, das Gebäude sei besonders lang gezogen - keine Sorge, das neue Flügelchen, das 2001 angebaut wurde, nennen die Einheimischen liebevoll "Dackel", weil es so lang und niedrig ist. Hunde sind also sogar in der Museumsarchitektur zu Hause, wenn auch nur als Spitzname.
Das Museum lebt wie ein bunter Regenwurm: Es gräbt sich durch die Geschichten der Stadt, wächst mit jedem Jahrzehnt weiter, und steckt voller Überraschungen. Besonders stolz ist man heute auf die riesige Gemälde- und Skulpturensammlung, aber auch auf die Plakate, das Design - alles, was Kreative eben so fabrizieren. Fotografie, Video, Film, sogar ethnografische Besonderheiten finden Sie im Netz von Zweigmuseen, das hier entstanden ist. Und falls Sie sich wundern, was mit der Sammlung der Adelsfamilie Raczyński passiert ist: Ein Teil davon, in Rogalin gesammelt, kam als Stiftung zurück, und feiert hier fröhliche Wiedervereinigung mit alten Bekannten.
Und wissen Sie, wofür das Museum 2024 ausgezeichnet wurde? Grand Prix „Izabella“ für das beste Museumsevent in ganz Großpolen! Und wenn das kein Applaus wert ist, dann weiß ich auch nicht.
Also, wenn Sie jetzt über die Schwelle treten, erinnern Sie sich: Sie betreten nicht nur einen Tempel der Kunst, sondern ein Haus voller Geschichten, das schon so manch ein Geheimnis und so manchen Schatz gesehen hat. Und aufgepasst: Mancher Besucher behauptet, manchmal flitzen die alten Museumsgeister nachts um die Vitrinen - na, hoffentlich begegnen Sie drinnen nur freundlichen Gespenstern!



