
Achten Sie links auf die Fassade aus hellem Stein mit ihren abgerundeten neobarocken Flügeln und den Figuren auf dem Dach über der Inschrift „Kraków narodowej sztuce“ - ein prächtiges Stadttheater, das seine Ambitionen ganz offen zur Schau trägt.
Die meisten Menschen bewundern das Theater und ahnen nicht, was sich einst hier befand: die Heilig-Geist-Kirche. Krakau entschied sich ganz bewusst dafür, heiligen Boden durch eine nationale Bühne zu ersetzen. Das verrät viel über diese Stadt. Sie hat hier nicht nur Identität geerbt... sie hat sie inszeniert.
Der Anstoß kam von Walery Rzewuski, einem Fotografen und Stadtrat, der ab den 1870er Jahren immer wieder Druck auf das Rathaus ausübte. Er besaß die organisatorische Energie eines Piotr Skarga, nur eben mit Ausschusssitzungen statt Predigten. Die Stadt stimmte schließlich zu, und der 36-jährige Architekt Jan Zawiejski erhielt den Auftrag. Er entwarf dieses Gebäude zwischen 1891 und 1893 in Anlehnung an die Pariser Oper und die Wiener Staatsoper, damit Krakau als selbstbewusst europäisch wahrgenommen würde und nicht als provinziell.
Dieses Selbstbewusstsein zeigte sich von Anfang an. Es war das erste Gebäude in Krakau mit elektrischer Beleuchtung. Der Grundstein wurde im Juni 1891 gelegt, wobei Helena Modrzejewska und Antonina Hoffmann Dokumente darunter legten. Als das Theater am 21. Oktober 1893 eröffnet wurde, bot das erste Programm Werke von Mickiewicz, Słowacki und Fredro, und fünf Wochen lang blieb das Repertoire rein polnisch. Im Jahr 1909 erhielt das Haus den Namen von Juliusz Słowacki.
Und dann wurde es mehr als nur schöne Architektur. Um die Jahrhundertwende trug diese Bühne dazu bei, das polnische Theater neu zu erfinden. Stanisław Wyspiański brachte hier 1901 „Wesele“ (Die Hochzeit) zur Uraufführung, eines der größten Ereignisse der polnischen Kultur, und er inszenierte hier auch alle Teile von „Dziady“ (Totenfeier). Die Schauspieler wandten sich von der großspurigen Deklamation des 19. Jahrhunderts ab hin zu leiserer Sprache, Spannung und sogar bedeutungsvollen Pausen. Theaterleute lieben es, das als Innovation zu bezeichnen. Das Publikum nennt es meistens: „Endlich klingt jemand menschlich.“
Wenn Sie sich das Innenraumbild in der App ansehen, werden Sie das Auditorium und den berühmten bemalten Vorhang von Henryk Siemiradzki sehen, der Teil der eigenen Mythologie der Pracht des Theaters ist.

Noch eine klare Außenansicht des Theaters, nützlich, um die prächtige Fassade zu zeigen, die bewusst das Prestige europäischer Opernhäuser heraufbeschwört.











