
Zu Ihrer Linken befindet sich eine riesige gotische Kirche aus rotem Backstein mit einem steilen Dach, einem tiefen Bogenportal und zwei ungleichen Türmen, von denen der höhere mit einer vergoldeten Krone gekrönt ist.
Die Marienkirche wirkt wie die Art von Gebäude, das einfach fertig dasteht... aber das würde der Geschichte viel zu viel Kredit einräumen. Diese Kirche ist in Wirklichkeit ein Zeugnis von Schäden, Reparaturen, Streitigkeiten und hartnäckiger Neuerfindung.
Die erste Kirche an dieser Stelle war aus Holz. Dann finanzierte Bischof Iwo Odrowąż im frühen dreizehnten Jahrhundert eine romanische Steinkirche, doch Tatareneinfälle zerstörten sie bald. Krakau tat, was es oft tat: Es fing wieder an, aber nicht bei Null. Um die Wende zum vierzehnten Jahrhundert errichteten Bauherren auf Teilen der älteren Fundamente eine frühgotische Hallenkirche. Mitte des vierzehnten Jahrhunderts bezahlte dann Mikołaj Wierzynek, ein mächtiger Krakauer Bürger, das heutige Presbyterium, den östlichen Teil um den Hauptaltar.
Was Sie heute von außen sehen, verdanken wir zum großen Teil einem klugen Baumeister, Meister Mikołaj Werner. Im späten fünfzehnten Jahrhundert wandelte er die Kirche von einer Hallenkirche, bei der die Seitenschiffe und die Mitte ähnlich hoch sind, in eine Basilika um, bei der der zentrale Raum höher ist und mehr Licht hereinlässt. Er senkte die Seitenwände ab und öffnete größere Fenster. Praktisch, dramatisch und sehr Krakauerisch: Verbessere das Alte, anstatt so zu tun, als hätte es nie Hilfe gebraucht.
Dann kam der Schock. Im Jahr 1443 brachte ein starkes Erdbeben wahrscheinlich das Gewölbe zum Einsturz und zerstörte möglicherweise auch den früheren Altar. Dieses Meisterwerk gotischer Selbstsicherheit ist also auch ein Überlebender baulicher Mängel. Das ist eigentlich der Clou. Was hier zeitlos wirkt, wurde durch Einstürze geformt.
Wenn Sie einen Blick auf die App werfen, zeigt Bild zwei deutlich das berühmte Ungleichgewicht der Kirche: ein Turm steigt auf etwa zweiundachtzig Meter, der andere auf etwa neunundsechzig. Der höhere Nordturm wurde zum Stadtwachturm, und von ihm erklingt noch heute jede Stunde das Hejnał Mariacki, Krakaus Trompetenruf. Der kürzere Turm nahm die Glocken auf. Selbst die Fassade teilt sich die Arbeit.

Eine klassische Frontalansicht der Marienkirche, bei der die Zwillingstürme und die gotische Silhouette den Krakauer Hauptmarkt beherrschen.










