
Kazimierz ist ein seltener Ort, der sich immer noch wie eine ehemalige Stadt verhält, selbst nachdem die Landkarte darauf besteht, dass er zu etwas Größerem gehört. Im Jahr 1335 blickte König Kasimir der Große südlich von Krakau und gründete hier eine neue Königsstadt, die er nach sich selbst benannte. Er gab ihr die Selbstverwaltung nach dem Magdeburger Recht, einem deutschen System des Stadtrechts, ordnete in den 1360er Jahren den Bau von Mauern an und setzte damit etwas in Gang, das mehr als nur ein Vorort war. Dies sollte ein richtiger städtischer Organismus sein: Marktplatz, Kirchen, Handelswege, Verteidigungsanlagen, Autorität.
Wenn Sie einen Blick auf die Karte in der App werfen, können Sie das Geheimnis erkennen, das den ganzen Stadtteil erklärt. Kazimierz lag einst getrennt von Krakau, geteilt durch einen Nebenarm der Weichsel, die Alte Weichsel genannt wurde. Jene grüne Linie, die heute als Józef-Dietl-Straße bekannt ist, ist nicht nur eine Allee; sie ist ein zugeschüttetes Flussbett. Einheimische wissen, dass man beim Überqueren tatsächlich ein altes Stück Geographie durchschreitet, das einst darüber entschied, wer zu welcher Stadt gehörte. Diese Trennung half Kazimierz, zwei Dinge gleichzeitig zu sein. Sein christliches Herz wuchs um den Wolnica-Platz, den Corpus-Christi-Kirche und Skałka herum. Sein nordöstliches Viertel wurde zum Oppidum Judaeorum, der Jüdischen Stadt, dicht gedrängt hinter eigenen inneren Mauern, flächenmäßig nur ein Fünftel von Kazimierz, aber fast die Hälfte seiner Bevölkerung. Der Wendepunkt kam nach dem großen Brand von 1494. Im Jahr 1495 zwang König Jan Olbracht die Juden aus der Krakauer Altstadt nach Kazimierz. So brutal das auch war, es begann auch das konzentrierte jüdische Kazimierz, dessen Synagogen, Schulen und Gerichtshöfe diesen Stadtteil zu einem geistigen Zentrum des polnischen Judentums machten.
Hier also, am Ende, ist das wahrhaftigste Bild vielleicht dies: ein Stadtteil, geformt durch einen verschwundenen Fluss, gezeichnet von Vertreibungen und immer noch voller Rückkehr. In Kazimierz sprechen Steine, Straßennamen, Friedhöfe, Heiligtümer und gewöhnliche Fassaden über die Brüche hinweg. Wenn Sie genau hinhören, erzählt Ihnen dieser Ort nicht nur, wer verloren ging. Er erzählt Ihnen, wer immer noch hartnäckig dazugehört.
Remuh-Synagoge in der Szeroka-Straße, eng verbunden mit dem Remuh-Friedhof und dem religiösen Leben der Gemeinde.



