Am Ende dieses Rundgangs wirkt Kazimierz weniger wie ein Stadtteil auf einer Karte, sondern eher wie ein Gespräch, das noch nicht abgeschlossen ist. In Innenhöfen, an abgetretenen Türschwellen, vor Backsteinfassaden und unter eingemeißelten hebräischen Namen haben Sie etwas Entscheidendes gesehen: Abwesenheit hat hier nie endgültig gesiegt.
Nach dem Brand im Jahr vierzehnhundertvierundneunzig und der Vertreibung aus dem mittelalterlichen Krakau sammelte sich das Leben hier, fand Halt und begann neu. Und nach späteren Verwüstungen geschah etwas ebenso Bemerkenswertes: Es blieben Spuren, die Menschen bewusst bewahrten, instand setzten, wieder mit Gesang füllten, erforschten und weitererzählten. Ein Gebetsraum, also ein kleiner Raum für gemeinsames Beten. Eine Friedhofsmauer. Eine Stifterinschrift, das ist ein Text, der an jemanden erinnert, der Geld oder Arbeit gespendet hat. Die Stille in einer Synagoge, das leise Stimmengewirr eines Straßencafés, Schritte auf Stein: Jede dieser Eindrücke trägt ein Stück weiter.
Nehmen Sie diesen Gedanken mit: Nicht Gebäude allein haben den Geist von Kazimierz erhalten. Er blieb, weil Menschen zurückkehrten, immer wieder, und den Mauern erneut Bedeutung gaben. So wurde aus Verlust wieder Gegenwart.


