Wenn Sie durch den Eingang blicken, erkennen Sie sofort die schlanken gläsernen Vitrinen, die unter den massiven, dunklen Holzdeckenbalken dieses Raumes stehen und farbenfrohe Schuhe präsentieren. Willkommen im Internationalen Schuhmuseum Pietro Bertolini.
Die Geschichte dieses Ortes ist ein Paradebeispiel dafür, wie persönliche Visionen auf den trägen Apparat der Verwaltung prallen. Pietro Bertolini war ein Pionier der hiesigen Schuhindustrie. Bereits in den neunzehnhundertdreißiger Jahren nutzte er seine weltweiten Kontakte, um historische Schuhe und Dokumente zu sammeln. Sein leidenschaftlicher Traum war es, ein öffentliches Museum für den Schuh zu erschaffen.
Neunzehnhundertachtundvierzig machte er der Stadt Vigevano ein geradezu unglaubliches Angebot. Zusammen mit einem Historiker wollte er der Stadt seine gesamte, unbezahlbare Kollektion völlig kostenlos überlassen. Die einzige Bedingung war, dass die Stadt im Gegenzug ein offizielles Museum dafür gründet. Die Reaktion der Stadtverwaltung? Nein danke. Man lehnte dieses großzügige Geschenk schlichtweg ab. Die wertvolle Sammlung blieb privat und wurde nur ab und zu in den Fluren des örtlichen Gerichtsgebäudes aufgestellt. Ein Lebenswerk, ausgebremst von bürokratischen Formularen.
Leider verstarb Bertolini, bevor er seinen Traum verwirklicht sah. Doch seine Erben gaben nicht auf. Neunzehnhundertachtundfünfzig erneuerten sie das Angebot. Diesmal, vielleicht aus purer Erschöpfung oder plötzlicher Einsicht, stimmte die Verwaltung endlich zu.
Was Sie heute hier finden, ist der ultimative Beweis für Vigevanos schuhmachendes Erbe. Ein Highlight ist der berühmte Stilettoabsatz, also der extrem dünne Pfennigabsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlangte die Mode von Christian Dior nach sehr schlanken Schuhen. Die damaligen Absätze bestanden jedoch aus Holz und brachen bei diesem geringen Durchmesser sofort durch. Im Januar neunzehnhundertdreiundfünfzig präsentierten Schuhmacher aus Vigevano auf einer Messe die rettende Lösung. Sie entwickelten einen Absatz mit einem stabilen Aluminiumkern. Der allererste Prototyp dieser Innovation liegt heute hier in einer Vitrine.
Die Sammlung dokumentiert zudem starke soziale Kontraste. Nur wenige Schritte von den Schuhen zweier Päpste entfernt, steht ein handbemalter Militärstiefel aus Leder, der Benito Mussolini gehörte. Dieser Luxusartikel stand in krassem Gegensatz zu den billigen, rauen Materialien, die der Bevölkerung während der damaligen Autarkie, also der staatlich erzwungenen wirtschaftlichen Selbstversorgung Italiens, aufgezwungen wurden. Außerdem finden Sie hier die funkelnden High Heels von Marilyn Monroe und einen gigantischen Schuh in Größe neunundfünfzig von Basketballer Shaquille O'Neal.
Das Museum ist montags geschlossen, an Wochentagen von vierzehn bis siebzehn Uhr dreißig und an Wochenenden von zehn bis achtzehn Uhr geöffnet. Nachdem das Vermächtnis der Schuhmacher von Vigevano nun gesichert ist, lassen Sie uns noch tiefer in den Glanz der Renaissance eintauchen und direkt zur Burg Visconti-Sforza hinübergehen, die im Grunde keinen Fußmarsch entfernt liegt.


