
Vor Ihnen erstreckt sich ein weitläufiger Komplex aus rotem Backstein mit U-förmigen Gebäudeflügeln, der von einem massiven, mehrstufigen Turm mit heller Steinverzierung überragt wird. Was einst eine strenge militärische Festung war, verwandelte sich unter den mächtigen Dynastien der Visconti und Sforza in ein luxuriöses Familienresort.
Die treibende Kraft hinter dieser goldenen Ära war Ludovico il Moro, der Herzog von Mailand. Er hatte die Vision, die Burg von einem bloßen Verteidigungsbau in ein architektonisches Meisterwerk zu verwandeln. Unter seiner Herrschaft wuchs die Anlage zu einem wahren Renaissancepalast heran, der Macht und Reichtum ausstrahlen sollte. Schauen Sie auf Ihr Telefon und öffnen Sie Bild acht, um zu sehen, wie diese verschiedenen Gebäude elliptisch angeordnet waren, vom herzoglichen Palast bis zu den Falknereien.

Ein besonderes Juwel der Anlage war die Loggia delle Dame, eine elegante, offene Bogengalerie, die Ludovico seiner jungen Frau Beatrice d'Este schenkte. Werfen Sie einen Blick auf Bild vier, das die prunkvollen Innenräume zeigt, in denen Beatrice einen der lebendigsten Höfe Europas kultivierte. Sie zog Musiker, Dichter und Künstler an und machte Vigevano zu einem kulturellen Zentrum. Doch die Ehe war nicht ohne Skandale. Ludovico schenkte ihr zwar eine nahegelegene Wassermühle zur Hochzeit, aber hartnäckige Gerüchte besagten, dass er dieses Anwesen für geheime Treffen mit seiner Geliebten nutzte. Ein wirklich durchdachtes Hochzeitsgeschenk.

Zu den Gästen des Hofes gehörte auch Leonardo da Vinci. Er nutzte seinen berühmten Erfindergeist jedoch nicht nur für die Kunst, sondern entwarf für die Stallungen der Burg ein ausgeklügeltes Fütterungssystem mit Falltüren direkt über den Boxen. So konnten die Knechte das Heu bequem von oben herablassen, ohne sich durch den überfüllten und zweifellos übelriechenden Bodenbereich kämpfen zu müssen.
Diese strahlende Ära nahm ein abruptes Ende, als Beatrice mit nur zweiundzwanzig Jahren im Kindbett starb. Ein Zeitgenosse schrieb, der Hof habe sich augenblicklich von einem Paradies in ein schwarzes Inferno verwandelt. Kurz darauf war die Dynastie der Sforza ganz am Ende. Der letzte Herrscher starb kinderlos, und sein Halbbruder, der die Macht an sich reißen wollte, kam unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben. Er wurde vergiftet. Danach zogen spanische und österreichische Truppen ein, und die prächtigen Säle wurden jahrhundertelang zu kahlen Kasernen umfunktioniert.
Heute beherbergen die restaurierten Räume Museen, die täglich von neun bis achtzehn Uhr, und an Wochenenden bis neunzehn Uhr, geöffnet sind. Die Brillanz dieses Hofes blieb jedoch nicht hinter diesen Mauern eingesperrt, sondern formte das eigentliche Herz der Stadt. Gehen wir nun weiter zur Piazza Ducale, die nur einen einminütigen Spaziergang entfernt liegt.


