
Zu Ihrer Linken sehen Sie das Mino Favini Stadion, eine weitläufige Anlage mit einer markanten ziegelroten Leichtathletikbahn, die ein weites Naturrasenfeld umschließt, flankiert von teilweise überdachten Tribünen aus Beton und Stahl.
Dieses Stadion ist das sportliche Zuhause des Fußballvereins AC Renate, allerdings nicht ganz freiwillig. Nach ihrem Aufstieg im Jahr 2010 standen die schwarz-blauen Panther plötzlich vor einem logistischen Albtraum. Ihr altes Stadion hatte nur knapp vierzehnhundert Sitzplätze und keine angemessene Flutlichtanlage. Das ist für die professionelle Lega Pro oder Serie C, also die dritte italienische Fußballiga, strengstens verboten. Um ihre sportlichen Ambitionen nicht aufzugeben, musste der Verein sein Zuhause verlassen und in ein permanentes Exil gehen, rund fünfzehn Kilometer entfernt von ihrer eigentlichen Heimat.
Aber das Fundament, auf dem dieser Ort steht, birgt ein weitaus dramatischeres Opfer. Das Stadion befindet sich am nördlichen Rand des Naturparks Bosco delle Querce. Wenn Sie auf den Rasen blicken, ahnen Sie nicht, was sich hier einst befand. Genau an dieser Stelle stand die Chemiefabrik ICMESA. Am zehnten Juli 1976 trat aus dieser Anlage eine hochgiftige Dioxinwolke aus, die über die umliegenden Gemeinden, insbesondere Seveso, hinwegzog. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass eine derartige Giftwolke direkt die Zivilbevölkerung und die Umwelt in diesem Ausmaß traf. Es gilt bis heute als eine der verheerendsten Umweltkatastrophen Europas.
Die Fabrik wurde abgerissen, und die verseuchte Erde musste in jahrelanger Arbeit abgetragen werden. Werfen Sie einen kurzen Blick auf Ihre App, das zweite Bild zeigt die 2022 frisch renovierte Laufbahn und das weite Spielfeld. Dies ist der bewusste Versuch, einen Ort der puren Tragödie in einen Raum für Gesundheit und menschliche Begegnungen umzuwandeln.

Im Jahr 2023 wurde das Stadion nach Fermo Mino Favini benannt, einem brillanten Talent-Scout, der Legenden wie Gianluca Zambrotta entdeckte. Auf seiner Gedenktafel am Eingang steht sein berühmter Leitsatz: Auf dem Platz ist es das Schwerste, die einfachen Dinge zu tun.
Manchmal sind die Dinge auf dem Platz aber auch aus ganz anderen Gründen extrem kompliziert. Das Stadion war völlig unerwartet der Austragungsort für das Finale der libyschen nationalen Fußballmeisterschaft. Das Spiel musste jedoch um Tage verschoben werden. Der Grund dafür war das Fehlen des sogenannten VAR, des Video-Schiedsrichter-Assistenten. Die Fernsehproduktionsfirma hatte schlichtweg ihre Bezahlung nicht erhalten und weigerte sich folglich, die Kameras einzuschalten. Ein klassischer Fall von geschäftlichem Pragmatismus, der selbst diplomatische Diskussionen in den höchsten Etagen blockierte. Erst nachdem das finanzielle Problem gelöst war, konnte Al Ahli Tripoli mit zwei zu null Toren triumphieren.
Bedenken Sie, wie ein Ort einer so tiefgreifenden Umweltkatastrophe in einen Raum für Gemeinschaft und Sport verwandelt wurde. Wie entscheiden wir uns, unsere tiefsten Narben zu heilen?
Von dieser modernen Geschichte der Vertreibung und der Heilung kehren wir nun in die Renaissance zurück, um die Geheimnisse einer geliebten, unehelichen Tochter aufzudecken. Falls Sie selbst den Drang verspüren, ein paar Runden zu laufen, die Anlage hat von Montag bis Sonntag jeweils von acht Uhr morgens bis halb elf Uhr abends geöffnet. Unser nächster Halt, der Palast Sanseverino, ist nur einen fünfminütigen Spaziergang entfernt.


