
Vor Ihnen sehen Sie ein langes, blassgelbes Gebäude, dessen unteres Stockwerk aus massiven, rauen Steinblöcken gemauert ist und das durch seine symmetrischen Reihen von Bogenfenstern besticht. Willkommen am Naturhistorischen Museum von Pavia, das sich im eleganten Palazzo Botta Adorno befindet. Es ist eine der ältesten naturkundlichen Sammlungen Europas, die bereits siebzehnhundertfünfundsiebzig auf Geheiß der Kaiserin Maria Theresia von Österreich gegründet wurde.
Wenn Sie einen Blick auf Ihren Bildschirm werfen, können Sie einen der weitläufigen Ausstellungssäle im Inneren sehen, in dem seit Jahrhunderten faszinierende Schätze ruhen. Doch hinter diesen noblen, stillen Mauern verbirgt sich eine weitaus dunklere Wahrheit. Das Streben nach wissenschaftlicher Größe in Pavia war oft von einer geradezu rücksichtslosen Ambition geprägt. Um sich einen unsterblichen Namen zu machen und ihren Platz in der Geschichte zu sichern, griffen einige Gelehrte zu drastischen Mitteln und überschritten persönliche sowie moralische Grenzen ohne zu zögern.

Ein perfektes Beispiel für diesen rücksichtslosen Ehrgeiz ist Antonio Scarpa. Dieser brillante Chirurg und Anatom nutzte seine immense Macht an der Universität gnadenlos aus, um seinen unehelichen Kindern durch Vetternwirtschaft lukrative Posten zuzuschanzen, was ihn bei Kollegen und Studenten gleichermaßen zutiefst unbeliebt machte. Als er achtzehnhundertzweiunddreißig starb, führte ausgerechnet sein ehemaliger Assistent die Autopsie, also die medizinische Leichenschau, durch. In einem makabren Akt der Rache trennte der Assistent heimlich Scarpas Kopf, seinen Daumen, seinen Zeigefinger und sogar seinen Harntrakt ab und konservierte sie heimlich in Gläsern.
Während Scarpas feine chirurgische Instrumente hier in den Sammlungen verblieben, wurde sein abgetrennter Kopf jahrelang versteckt und wird heute tatsächlich in einem benachbarten Universitätsmuseum ausgestellt. Schauen Sie noch einmal auf Ihr Telefon, um einen Eindruck von den paläontologischen Schätzen, also den versteinerten Überresten urzeitlichen Lebens, zu bekommen. Solche präzise bewahrten Knochen zeigen uns die tiefe Hingabe der damaligen Forscher zur Wissenschaft. Aber Scarpas grausiges Schicksal beweist auf ironische Weise, dass manche Hinterlassenschaften eher unfreiwillig für die Ewigkeit aufbewahrt wurden.

Wir lassen nun die dunklen Geheimnisse und makabren wissenschaftlichen Intrigen hinter uns und wenden uns den verborgenen Leben der königlichen Eliten zu. Unser nächstes Ziel, das altehrwürdige Kloster San Felice, ist nur einen entspannten dreiminütigen Spaziergang von hier entfernt. Falls Sie dieses historische Gebäude und seine wissenschaftlichen Kuriositäten später selbst erkunden möchten, das Museum ist von Dienstag bis Sonntag zwischen zehn und achtzehn Uhr geöffnet.


