
Vor Ihnen erstreckt sich ein massiver, rechteckiger Bau aus rotem Backstein, dessen Zentrum von einem eleganten weißen Steinbalkon über einem hohen Bogentor gekrönt wird. Dies ist das Collegio Cairoli, doch seine Ursprünge erzählen eine Geschichte, in der es weniger um Bildung ging, sondern vielmehr darum, wer die Gedanken der nächsten Generation formt.
Im Jahr siebzehnhunderteinundachtzig beschloss der österreichische Kaiser Joseph der Zweite, genau hier das Deutsch-Ungarische Kolleg zu gründen. Er tat dies nicht aus reiner Großzügigkeit. Es war die Epoche der Aufklärung, und Herrscher in ganz Europa versuchten eifrig, die staatliche Macht zu zentralisieren und den Einfluss der Religion streng zu kontrollieren. Bis dahin waren junge Theologiestudenten aus seinen Ländereien nach Rom gereist, um dort zu studieren. Aber in Rom wurden sie natürlich stark nach den Vorstellungen des Papstes ausgebildet. Kaiser Joseph wollte diesen Kreislauf durchbrechen. Indem er die jungen Männer in Pavia behielt, tief auf österreichischem Gebiet, konnte er sicherstellen, dass ihre Loyalität seinem eigenen Reich galt und nicht dem fernen Vatikan.
Um diese Vision umzusetzen, holte der Kaiser Professoren wie Giuseppe Zola und Pietro Tamburini an die theologische Fakultät. Diese beiden Gelehrten vertraten radikale Ansichten zur Trennung von Staat und Kirche und stellten die absolute Macht Roms offen infrage. Der Papst war zutiefst beunruhigt über diesen Versuch, eine neue, rein staatstreue Priestergeneration heranzuziehen. Er schickte eilig Gesandte an den kaiserlichen Hof, um sich bitterlich zu beschweren. Der ständige diplomatische Druck Roms führte schließlich dazu, dass die beiden unbequemen Professoren mit einer großzügigen Rente in den frühen Ruhestand gedrängt wurden. Dieser akademische Machtkampf besiegelte den raschen Niedergang des Kollegs.
Als kurz darauf die französischen Truppen in Pavia einmarschierten, wurde das Gebäude schlichtweg beschlagnahmt. Über ein Jahrhundert lang diente es dann als Kaserne. Die stillen Säulengänge, in denen einst theologische Debatten geführt werden sollten, hallten nun von den lauten Befehlen und den Stiefeln der Soldaten wider.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kämpfte der Rektor der Universität Pavia unermüdlich gegen die Militärbürokratie an, um das stark beschädigte Gebäude zurückzugewinnen. Im Jahr neunzehnhundertachtundvierzig öffnete es wieder seine Türen für Studenten. Um die alte kaiserlich-österreichische Identität endgültig abzustreifen, benannte man es nach den Brüdern Cairoli, tragischen Helden, die ihr Leben für die Einigung Italiens geopfert hatten.
Das Gebäude ist von Montag bis Samstag geöffnet, sonntags jedoch geschlossen, falls Sie einen kurzen Blick in den von Bäumen gesäumten Innenhof werfen möchten. Nun lassen Sie uns weitergehen zu einer Kirche, in der einst ein absolut schockierender Diebstahl stattfand. Die Kirche San Francesco ist nur zwei Gehminuten von hier entfernt.


