
Vor Ihnen auf der linken Seite erhebt sich die Kathedrale aus rotem Backstein mit ihrer massiven, achteckigen Kuppel, die von einer eleganten steinernen Laterne gekrönt wird.
Es ist schwer, sich von diesem Anblick nicht überwältigt zu fühlen. Diese Kirche, der Dom von Pavia, ist ein steinernes Zeugnis dafür, wie weit Menschen gehen, um ihren Namen für die Ewigkeit in die Geschichte einzumeißeln. Um etwas Neues und Großartiges zu erschaffen, muss oft das Alte weichen.
Genau hier standen einst zwei antike Zwillingskathedralen, die Seite an Seite existierten. Sie waren im romanischen Stil erbaut, jener älteren, massiven und dunkleren mittelalterlichen Architektur. Doch im späten fünfzehnten Jahrhundert reichte das den mächtigen Herrschern der Stadt nicht mehr. Sie wollten Ruhm. Sie wollten ein Meisterwerk der Renaissance, also des neuen, von der klassischen Antike inspirierten Stils, das alle anderen überstrahlen sollte. Und so begannen sie, die beiden alten Kirchen Stück für Stück abzureißen. Es war ein fast rücksichtsloses Unterfangen, die eigene Vergangenheit auszulöschen, um sich ein neues Denkmal zu setzen.
Um diesen Traum zu verwirklichen, wurden die klügsten Köpfe der Zeit herangezogen. Werfen Sie einen Blick auf Ihren Bildschirm, um ein Holzmodell aus dem Jahr vierzehnhundertsiebenundneunzig zu sehen. Selbst Leonardo da Vinci wurde nach Pavia gerufen, um dieses ehrgeizige Projekt zu studieren. Sein Aufenthalt hier prägte seine eigenen Gedanken zur Architektur tiefgreifend.

Aber grenzenloser Ehrgeiz hat seinen Preis. Der Bau dauerte Jahrhunderte. Die gigantische Kuppel, eine der größten Italiens, wurde erst in den achtzehnhundertachtziger Jahren unter der Leitung von Carlo Maciachini vollendet. Schauen Sie sich die heutige Fassade auf Ihrem Gerät an, sie stammt ebenfalls von ihm. Doch der Bau der Kuppel geriet fast zur Katastrophe. Im September achtzehnhundertfünfundachtzig gab es plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch. Eine der massiven eisernen Stützketten riss entzwei. Marmorsplitter regneten von der Decke in das Kirchenschiff hinab, und Risse von bis zu sechs Zentimetern öffneten sich im Mauerwerk. Panik brach aus, und die Kathedrale musste für mehr als sieben Jahre geschlossen werden.

Auch der endgültige Abriss der letzten Reste der alten romanischen Fassaden verlief nicht ohne bitteren Widerstand. Intellektuelle argumentierten leidenschaftlich, man solle das knappe Geld lieber in die Rettung der einsturzgefährdeten Kuppel stecken, anstatt die mittelalterliche Geschichte für eine neue Fassade endgültig auszuradieren. Als die alten Mauern schließlich doch fielen und wunderschöne, verborgene Mosaike und Skulpturen freilegten, wurde der Verlust umso schmerzlicher.
Am Ende siegte der unbedingte Wille zur Größe. Dieses Bauwerk erzählt weniger von stiller Bescheidenheit, sondern von jenem brennenden Verlangen, unvergessen zu bleiben, koste es, was es wolle.
Wenn Sie möchten, können Sie das beeindruckende Innere fast jeden Tag von morgens bis zum frühen Abend besichtigen, mit einer kurzen Mittagspause. Doch nun lassen wir das Streben nach architektonischer Vormachtstellung hinter uns. Unser Weg führt uns nun zu einer ganz anderen Form des Ehrgeizes, dem Streben nach intellektuellem Prestige. Wir machen uns auf den Weg zur Universität Pavia, die nur einen gemütlichen, siebenminütigen Spaziergang entfernt liegt.


