Direkt vor dir breitet sich ein gewaltiger, ovaler Platz mit einer langgestreckten Insel in der Mitte aus, umringt von einer kleinen Wasserstraße und gesäumt von unzähligen steinernen Statuen - wenn du dich umschaust, kannst du die Statuen entlang des doppelt-elliptischen Kanals sehen, sie sind deine Wegweiser!
Stell dir vor: Vor über zweitausend Jahren war genau hier nicht etwa grüne Wiese, sondern ein wilder, schlammiger Sumpf, in dem bei jeder Überschwemmung Mückenclouds im Formationsflug tanzten! In römischer Zeit nannte man diesen Ort das „Campo di Marte“, denn hier übten Soldaten das Marschieren, Kämpfen - und vielleicht auch das richtige Schuhwerk für matschige Böden. Später diente der Platz als Markt, als Zirkus, als Bühne für Ritterspiele und Märchenumzüge. Kein Wunder, dass der Prato della Valle bis heute die größte Piazza Italiens und eine der größten Europas geblieben ist! Aber Achtung: „Prato“ bedeutet eigentlich „Wiese“ - wirklich viel Gras wuchs jahrhundertelang hier allerdings nicht, weil ständig Feste gefeiert, Märkte abgehalten oder, na klar, alles unter Wasser gesetzt wurde.
Im 6. Jahrhundert entstand in der Nähe die erste Version der Basilika Santa Giustina, nachdem die Heilige Giustina dort begraben wurde. Das zog Pilger und Händler an - schließlich wollte ja niemand in den Sumpf fallen! Nach schweren Überschwemmungen im Jahr 589 wurde es noch matschiger, und jahrhundertelang blieb das Gebiet eine Art verwunschener See. Erst mit dem klugen Kopf Andrea Memmo kam Leben und Ordnung in diese ungezähmte Wildnis. Memmo war ein echter Macher, der im 18. Jahrhundert eine Vision hatte: Aus dieser „valle“ - der tiefliegenden, sumpfigen Mulde - sollte ein Platz werden, der nicht nur praktisch, sondern auch herrlich anzusehen war.
Memmo und der Architekt Domenico Cerato formten ab 1775 die heutige Struktur: Mittig ragt die Isola Memmia aus dem Boden, wie ein riesiges, steinernes Croissant, flankiert von 78 Figuren aus Vicenza-Stein, dem Lieblingsmaterial venezianischer Bildhauer. Die Insel wurde geschaffen, indem ganze 10.000 Karren Erde hierher transportiert wurden! Stell dir das Gedröhn der hölzernen Räder und das Rufen der Arbeiter vor… Nie wieder sollte die Wasserlache alles verschlingen, und der Prato wurde begehbar, ja sogar elegant!
Im Laufe der Jahrhunderte tummelte sich hier alles, was Rang, Namen oder einfach viel Zeit hatte: Gladiatoren, Händler, Ritter, Mönche, französische und österreichische Soldaten, lachende Kinder beim Pferderennen oder die stillen Zuschauer der Theaterstücke. Nichts war hier unmöglich: Über die Jahre wurde das Prato zur echten Freiluftbühne: Karusselle, Pferderennen, Feiern nach Fußballmeisterschaften, große Musikfestivals und sogar Papstbesuche! Und wenn du samstags oder zur Antiquitätenmesse hier bist, herrscht ein wildes Treiben mit über 160 Marktständen und der Geruch von frischem Obst, Kaffee und gebrannten Mandeln liegt in der Luft.
Aber auch die Statuen erzählen spannende Geschichten. Ursprünglich sollten es viel mehr sein, aber die Napoleonischen Truppen hatten keinen Humor und kippten sechs der venezianischen Dogen-Standbilder kurzerhand um! Die übrigen 78 schauen heute streng oder auch ein bisschen gelangweilt drein, manche profilieren als Professoren der berühmten Universität von Padua, andere waren Feldherren oder Künstler. Na gut, und ein paar Brutalos, die sich in den damaligen Pferderennen einen Namen machten - und bestimmt auch mal schummelten.
Besonders stolz ist Padua übrigens auf die Einzigartigkeit dieses Ortes: Hier treffen sich Vergangenheit und Gegenwart bei jeder Sonnenstunde. Platanen wurden gepflanzt, es gab sogar einen „Baum der Freiheit“ - und als der von den Österreichern gefällt wurde, mussten sich die Tauben einfach einen anderen Landeplatz suchen.
Wenn du heute über den Prato della Valle schlenderst, hörst du das Echo alter Feste, das Quietschen von Rollschuhen, das Lachen von Kindern und das Singen der Musiker, die am Abend ihre Gitarren auspacken. Es klingt fast, als würden die Steinstatuen abends einen kleinen Applaus klatschen. Und falls du Lust auf ein bisschen Geschichte mit sportlicher Note hast: Hier hat schon mal ein Rennen von Padua bis nach Mestre - und zurück! - stattgefunden. Wetten, dass selbst ein italienischer Espresso langsamer kalt wird als so ein Bote früher gelaufen ist?
Und wenn dir all das ein bisschen zu bunt wird, setz dich einfach auf eine der Bänke, schau zu, wie die Sonne die Kanäle glitzern lässt, und stell dir vor, wie vor Jahrhunderten ein Mönch auf diesen Platz blickte und dachte: „Naja, wenigstens sind diesmal keine Mücken da!“
Möchten Sie die Konfession, die statuen oder die vegetation der insel memmia genauer erkunden? Kommen Sie zu mir in den Chat-Bereich, um eine detaillierte Diskussion zu führen.



