Direkt vor Ihnen sehen Sie eine prächtige weiße Fassade mit kräftigen, korinthischen Pilastern, kunstvollen roten Kapitellen und zahlreichen Marmorstatuen und Reliefs - die Kirche San Gaetano erkennen Sie an ihrem auffälligen, monumentalen Portal, das von steinernen Heiligenfiguren und einem barocken Wappen gekrönt wird.
Stellen Sie sich vor, wir spulen die Zeit zurück ins mittelalterliche Padua! Hier begann alles im zwölften Jahrhundert, als sich die bescheidenen Umiliaten an diesem Ort niederließen - damals war die Kirche noch als San Francesco Piccolo bekannt. Die Gassen waren enger, der Duft von frischem Brot zog durch Altinate und vielleicht klopften gerade ein paar Mönche ihre Kutten vor dem Eingang ab. Doch wie das nun mal so ist: Geschichte braucht ihre Umbaupläne! Als die Teatini, ein Orden voller Tatendrang - und sicherlich ein bisschen Bauwut - ausgerechnet das Kloster samt Kirche geschenkt bekamen, griffen sie tief in die Trickkiste der Architektur, holten Vincenzo Scamozzi ins Boot und beschlossen, alles grandios neu zu bauen.
Die Baustelle war kein Zuckerschlecken: Unter den Füßen der Handwerker lagen noch römische Ruinen, die für ordentlich Frust und laute Flüche sorgten. Doch 1582 legte Scamozzi den Grundstein für einen kühnen neuen Sakralraum, der endgültig 1585 fertigstand. An diesem Punkt flatterte feierlich das Wappen der Familie Cornaro über das Portal - und Padua hatte eine neue architektonische Perle.
Und dann, wie in einer guten Seifenoper, kam Drama ins Spiel: Papstbesuche, die Beatifikation von Padre Avellino, eine wachsende Zahl prachtvoller Altäre. Die Kirche wurde festlich geweiht, und schon bald drängten Gläubige, Bischöfe und neugierige Bürger in das ungewöhnlich oktogonale Kirchenschiff. Wer das Glück hatte, zu den Einweihungsfeierlichkeiten eingeladen zu sein, durfte glanzvolle Prozessionen und stolze Patrizier erleben, die ihre Spenden sichtlich genossen. Damals lockte der Klang der Glocken zum Gottesdienst.
Die Kirche San Gaetano wurde berühmt für ihren Reichtum an Kunstwerken, die allesamt wie Schätze auf Entdeckung warten: Fresken in der Kuppel, geschaffen vom französischen Meister Guy Louis II Vernansal, zeigen einen paradiesischen Himmel voller Wolken und Heiliger. Achten Sie darauf, dass Sie beim Betreten nicht zu sehr staunen - Sie könnten beinahe schwindelig werden von den illusionistischen Himmeln und Goldornamenten! Die barocken Stuckfiguren von Ruggero Bescapè strecken sich anmutig in ihren Nischen, während Altäre und Bilder von Malern wie Palma il Giovane, Pietro Damini und Alessandro Maganza ganze Geschichten erzählen - über Glauben, Wunder und manchmal auch blutige Märtyrerschicksale.
Doch nicht nur drinnen, auch draußen auf dem Vorplatz spielten sich Dramen ab! Im 18. Jahrhundert posierte hier Raffaele Savonarola als geistlicher Vorsteher. Sein künstlerischer Ehrgeiz brachte die ganze Stadt zum Staunen - und wahrscheinlich so manchen Handwerker ins Schwitzen. Barocke Pracht und Marmorüberfluss, so weit das Auge reicht. Doch natürlich musste irgendwer nörgeln: „Zu viel Prunk!“, raunten die Gelehrten - aber die Padovaner liebten es.
Wie bei so vielen italienischen Kirchen wurde es auch hier turbulent, als Napoleon höchstselbst um die Ecke bog - Kloster und Kirche wurden kurzerhand verstaatlicht. Der einst friedliche Kreuzgang wurde zum Gerichtssaal, und man munkelte sogar, die Kirche selbst hätte beinahe als Gerichtssaal herhalten müssen! Zum Glück blieb dieses Schicksal ihr erspart.
Besonders anmutig ist die Fassade heute - vor Ihnen. Die sechs korinthischen Halbsäulen stemmen sich gegen das strahlende Licht, schimmernd und monumental. Der Eingang ist ein Portal erster Klasse: Über dem reich verzierten Türsturz prangt eine lateinische Inschrift - und darüber, wie zur Belohnung, das stolze Wappen der Cornaro, gekrönt von der Bischofsmütze. Zu beiden Seiten schauen mächtige Heilige in Nischen davon, und wenn Sie genauer hinsehen, erkennen Sie Szenen voller Dramatik: Die Märtyrertode, Kämpfe für den Glauben, aber auch - das verspreche ich - Statuen, bei denen sogar ein Granitblock ins Schwitzen gerät.
Und vielleicht spüren Sie, wie sich die Sonne auf Ihrer Haut wärmt, wie früher das Licht durch die bemalten Glasfenster tanzte und die Gläubigen ehrfürchtig aufblickten. Wenn Sie den Kopf heben, entdecken Sie über Ihnen eine Kuppel - eine Art steinernes Schirmdach, inspiriert von Triumphbögen der alten Römer. Hier oben, so erzählen sich die Leute, sei schon so manches Stoßgebet vorbeigehuscht, um zu den Heiligen zu gelangen.
Im Laufe der Jahrhunderte überlebte die Kirche Feuer, Plünderungen, politische Intrigen und so manche wirtschaftliche Krise. Einmal, so geht die Legende, tobte ein verheerender Brand im alten Kloster nebenan, doch die Kirche selbst blieb fast wie durch ein Wunder verschont. Und immer wieder kehrten die Gläubigen zurück - für Taufen, Hochzeiten oder einfach nur, um für einen Moment die Zeit zu vergessen.
Heute, nach jahrzehntelangen Restaurierungen, erstrahlt das Gotteshaus wieder so prachtvoll wie einst. Wenn Sie also das nächste Mal jemanden in Padua nach einem besonderen Kirchengeheimnis fragen, könnten Sie mit der San Gaetano prahlen - und davon erzählen, wie hier Steine sprechen, Heilige schweigen und Kunst, Architektur und Geschichte bis heute einander die Hand reichen. Betreten Sie die Kirche ruhig, schauen Sie nach oben und fragen Sie sich: Hat wohl irgendeiner jener Mönche damals geahnt, welch mächtiges Bauwerk hier einmal stehen würde? Mehr Padua geht kaum!



