Hier zu Ihrer Linken befindet sich das Heiligtum Maria Santissima della Cava. Schauen Sie sich das an. Wenn wir über versteckte Zufluchtsorte sprechen, über das unterirdische Marsala, dann ist dieser Ort das absolute Paradebeispiel.
Im Inneren wird das wertvollste Objekt der Stadt aufbewahrt. Es ist eine Alabasterstatue. Man könnte erwarten, dass die oberste Beschützerin einer Stadt, die so viele Kriege und Katastrophen überstanden hat, eine gewaltige, einschüchternde Figur ist. Aber nein. Sie ist genau achtzehn Zentimeter groß. Es ist eine zarte, winzige Darstellung der Jungfrau Maria, die dem Jesuskind ein Stück Brot reicht.
Um zu verstehen, warum dieses winzige Objekt so verehrt wird, müssen wir ins achte Jahrhundert zurückgehen. Damals führte der byzantinische Kaiser einen Krieg gegen heilige Kunst. Man nennt diese Epoche den Ikonoklasmus, also wörtlich die Zerstörung von Bildern. Die Gläubigen in Marsala gerieten in Panik. Um ihre kleine Statue vor den kaiserlichen Soldaten zu retten, brachten sie sie in großer Eile in eine tiefe Grube, eine sogenannte Cava, und wuchteten einen massiven Felsbrocken darüber. Es war das perfekte Versteck. Leider war es so perfekt, dass die Stadtbewohner im Laufe der Jahrhunderte völlig vergaßen, wo es war.
Spulen wir vor in das Jahr fünfzehnhundertvierzehn. Ein Mönch namens Leonardo Savina begann, seltsame Träume zu haben. Savina war taub und stumm. Dennoch hörte er unaufhörlich eine Stimme in sich, die rief: Cava! Cava! Grabe! Grabe!
Savina vertraute dieser Vision und grub. Vier lange Jahre lang. Zuerst war die Stadt begeistert, aber als er nichts fand, strichen sie die Gelder und verspotteten ihn als Scharlatan. Am neunzehnten Januar fünfzehnhundertachtzehn stieg Savina fast völlig allein in die Grube hinab. Seine einzigen Begleiter waren zwei Freunde, die ebenfalls am Rand der Gesellschaft standen... der eine war blind, der andere gelähmt. Gemeinsam schafften sie es, einen bestimmten Felsbrocken zur Seite zu rollen. Unter dem Staub der Jahrhunderte fanden sie die winzige Statue. Der Legende nach wurden in genau diesem Moment alle drei geheilt. Savina konnte sprechen, der Blinde konnte sehen und der Gelähmte konnte laufen.
Die Bürger bauten der Statue eine unterirdische Höhlenkirche genau an dieser Stelle. Es ist ein Raum, der bis heute eine mystische Ruhe ausstrahlt. Später errichtete man eine riesige Kirche über der Erde. Doch dann kam der elfte Mai neunzehnhundertdreiundvierzig. Alliierte Bomben legten das Gebäude in Schutt und Asche und brachten furchtbare Zerstörung über die Stadt. Tage später gruben Retter mit bloßen Händen in den rauchenden Trümmern. Dort fanden sie die achtzehn Zentimeter große Statue. Sie war völlig unversehrt, ohne den kleinsten Kratzer. Wieder einmal war alles um sie herum eingestürzt, und wieder einmal hatte sie überlebt.
Erst im Jahr zweitausend wurde die moderne Kirche, die Sie heute vor sich sehen, fertiggestellt, um ihr wieder ein Zuhause zu geben.
Dieses kleine, hartnäckige Meisterwerk hat das alles überlebt. Aber nun lassen Sie uns den Fokus von dieser wundersamen, spirituellen Rettung abwenden und uns einem Ort zuwenden, an dem es um sehr handfeste, physische Heilung ging. Unser nächstes Ziel, die Kirche Sant'Anna, ist nur eine Minute zu Fuß entfernt. Folgen Sie einfach der Route auf Ihrem Bildschirm.



