Vor dir erhebt sich die Kathedrale von Bari mit ihrem markanten weißen Kalkstein und dem hohen, schlichten Glockenturm - halte einfach Ausschau nach dem größten Turm weit und breit, direkt im Herzen der Altstadt, und du kannst sie nicht verfehlen!
Willkommen an einem Ort, an dem nicht nur Steine, sondern ganze Jahrhunderte sprechen! Stell dir vor, wie sich vor dir die helle Fassade der Kathedrale Cattedrale di San Sabino erstreckt, überragt vom schlanken Turm, der aussieht, als würde er dem blauen Himmel von Bari fast die Hand reichen. Aber weißt du was? Dieses imposante Gotteshaus hat schon viele Stürme überlebt - und mit Stürmen meine ich nicht nur das Wetter!
Unsere Zeitreise startet schon im 4. Jahrhundert, als hier die ersten Bischöfe von Bari nachweislich ihren Sitz hatten. Damals war Bari noch ein kleines, windgepeitschtes Hafenstädtchen. Über die Jahrhunderte wurde an diesem Platz immer wieder gebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Die ältesten Überreste findest du noch heute tief unter dem Altar, dort, wo einst eine Kirche mit einer schiefen Ausrichtung stand - wahrscheinlich dachte sich der Bauleiter damals: „Ach, ein bisschen schief ist auch ganz schön originell!“
Im 9. Jahrhundert wurde die Stadt von den Sarazenen niedergebrannt, aber ein gewisser Bischof Angelarius ließ sich davon nicht unterkriegen: Mutig rettete er aus den rauchenden Trümmern die Gebeine des Heiligen Sabinus - und tatsächlich, sie liegen noch heute in der Krypta der Kathedrale, eingehüllt in fromme Ruhe.
Im 12. Jahrhundert, als die Stadt erneut unterging - diesmal auf Befehl von Wilhelm dem Bösen (der Name ist Programm!) - blieb auch von der Kathedrale wenig übrig. Nur die Basilica di San Nicola wurde verschont, da hatte wohl jemand beim Abriss die göttliche Strafe gefürchtet! Erst zwischen 1170 und Ende des 13. Jahrhunderts wagte es Erzbischof Rainaldo, die Kathedrale wiederauferstehen zu lassen - und dafür griff er sich einfach allerhand Steine aus den alten Ruinen der Stadt. „Recycling“ war also schon im Mittelalter ein Thema, ganz modern!
Beim Betreten der Kathedrale empfängt dich heute der reine, elegante apulische Romanikstil - mit drei schlanken Schiffen, sechzehn massiven Säulen und, mein persönliches Highlight, einem prachtvoll gemeißelten Löwen, der das Portal bewacht. Über dem Eingangsportal prangt ein wildes Rosettenfenster und ein Relief, auf dem allerlei Monster und Fantasiegestalten herumkriechen: Ich sag ja immer, ein bisschen Monstergeschichten schaden nie - vor allem, wenn sie aus Stein sind und keine Socken fressen können.
Doch die Schönheit dieser Kathedrale liegt nicht nur oben, sondern auch in der Tiefe. Denn in der Krypta, zwischen den Flackern der Kerzen und dem Duft von Weihrauch, findet man die Reliquien des Heiligen Sabinus - einen Ort stiller Verehrung und tiefer Geschichte. Überhaupt, die Krypta ist ein magischer Ort: Dort unten fühlt man fast, wie die alten Bischöfe und Pilger durch die Jahrhunderte miteinander flüstern - „Na, hast du auch das letzte große Osterfest verschlafen?“
Im 18. Jahrhundert versuchte man, mit barocker Pracht die Kirche aufzumotzen - sozusagen die Mittelalter-Version eines Makeovers - aber keine Sorge, heutzutage erstrahlt die Kathedrale wieder ganz im ursprünglichen, romanischen Glanz, wie vor Jahrhunderten, als sie als neue Hoffnung aus den Trümmern wuchs.
Wenn du neugierig bist, warum manche Gläubigen mit großen Augen auf einem „auf dem Kopf stehenden“ Buch-Inhalt starren: Im angrenzenden Diözesanmuseum findest du das berühmte Exultet, eine Prachthandschrift byzantinischer Herkunft, die extra so illustriert ist, dass selbst die analphabetischen Seefahrer und Marktfrauen wussten, worum es an Ostern ging. Denn wenn der Pfarrer das große Loblied sang, konnte jeder die bunten Bilder bewundern!
Also, genieße den Anblick, lausche vielleicht auf die Echos aus der Vergangenheit und wer weiß - vielleicht begegnet dir noch heute ein leiser Geist eines alten Baumeisters, der schmunzelt, weil seine Kathedrale nach all den Jahrhunderten noch immer so wunderbar dasteht!



