Schau direkt vor dir nach links unten auf die alte Steinmauer und den eleganten Eingang mit Barockverzierungen - dort versteckt sich die kleine Kirche San Martino, fast wie ein Schatzkästchen im Erdgeschoss des Palazzo Bianchi Dottula.
Stell dir vor: Du stehst hier in Bari Vecchia, die Luft riecht ein wenig nach Meer und alten Steinen, irgendwo zwischen geheimen Palästen und verschlungenen Gassen. Die Kirche San Martino ist leicht zu übersehen - sie ist keine stolze Kathedrale, sondern viel mehr wie ein stiller Zeitzeuge, der fast schüchtern hinter barocken Mauern aus dem Erdgeschoss des Palazzo Bianchi Dottula hervorlugt. Kaum zu glauben, dass du gerade vor einem der ältesten religiösen Orte der Stadt stehst - schon im 9. oder 10. Jahrhundert wurde hier gebetet, lange bevor Bari überhaupt an einen Heiligen Nikolaus dachte. Damals, in den byzantinischen Tagen, flackerten hier Kerzen gegen die Dunkelheit und Familien wie die Dottulas prägten das Viertel, während draußen vielleicht Byzantiner und Normannen einander die Klinke in die Hand gaben - wer weiß, vielleicht sogar mit Sandalen voller Staub und einer Tasse Wein in der Hand!
Die Geschichte dieser Kapelle ist ein bisschen wie ein italienischer Krimi: Ein Heiligtum, gebaut auf den Mauern eines noch älteren Oratoriums, dann im 12. Jahrhundert von einem gewissen „Guglielmo il Malo“ - der Name sagt schon alles, oder? - zerstört, wieder aufgebaut, renoviert, beinahe vergessen. Im 16. Jahrhundert erhoben die Dottulas den Bau zu neuer barocker Pracht, was draußen am verschnörkelten Portal mit Inschrift zu lesen ist - falls du zufällig Latein kannst und eine Lupe dabei hast!
Jetzt betreten wir im Geiste das Innere. Du bemerkst das Spiel der Jahrhunderte unter deinen Füßen: unterschiedliches Steinpflaster, farbige Mosaikstücke - hier haben Generationen ihre Spuren hinterlassen, ähnlich wie die Pizza-Flecken auf meinem Lieblingshemd. Die Kirche selbst ist ein hoher, rechteckiger Raum und wirkt trotz ihrer Schlichtheit wie eine steinerne Zeitmaschine. Rechter Hand entdeckst du die Sensation der letzten Jahre: Bei Ausgrabungen 2021 kam ein uraltes Fresko aus dem 12. Jahrhundert ans Licht - ein Mann mit gelber Tunika, vielleicht ein Heiliger oder ein Kaufmann von Bari, hält selbstbewusst ein lateinisches Schriftband in die Kamera... Verzeihung, in die Jahrhunderte!
Links an der Wand, im Halbschatten, findest du ein großes, farbiges Fresko mit der berühmten Madonna del Segno, die dich anblickt, als würde sie fragen: „Weißt du eigentlich, wie alt ich bin?“ Die Farben, ursprünglich aus dem 15.-17. Jahrhundert, wurden später pfiffig aufgefrischt - so wie ein Modehaus jedes Jahr seine Kollektion erneuert.
Und dann das Wappen unter dem großen Fenster, voller Schnörkel, Blasonen und natürlich einer Krone - schließlich zeigten die Bianchi Dottula gern, was sie hatten.
Das echte Abenteuer beginnt aber unter deinen Füßen: In der Krypta aus dem 9./10. Jahrhundert, verborgen in einem drei Meter tiefen Hohlraum, weht ein Hauch von Grusel und Ehrfurcht. Hier sieht man, halb verborgen, eine anonyme Bischofsfigur und eine Szene der Deësis - mitten in den Farben: Christus Pantokrator, Maria mit himmelblauer Tunika, und ein äußerst beschäftigter Erzengel Michael, der gleichzeitig einen Globus hält und mit einer Lanze einem imaginären Ziel nachjagt - fast als wolle er alle Probleme Baris aufspießen!
Was viele nicht wissen: Hier unten liegt das uralte Grab eines Priesters namens Smaragdo, der die Kinder zum Singen unterrichtete und Bari mit seiner Musik erfüllte. Vielleicht kannst du die Stimmen der Kinder hören, wie sie schon im Mittelalter ihre ersten schiefen Töne übten.
Nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs wurde die Kirche von der engen Nachfahrin der Bianchi-Dottula-Familie und kreativen Köpfen aus der Nachbarschaft wiederentdeckt. Heute träumt der Verein APS Martinus davon, diesen verwunschenen Ort als Kunst- und Begegnungsraum neu zu beleben. Also, lass uns leise weiterziehen - vielleicht kehrst du eines Tages zurück und hörst wieder Musik aus diesen jahrhundertealten Mauern.



