Vor dir erhebt sich die Kirche Santa Chiara mit ihrer schlichten, sandfarbenen Fassade und dem markanten, etwas beschädigten Turm - halte Ausschau nach dem achteckigen Fenster hoch oben, direkt über dem großen Holztor.
Stell dir vor, wir gehen gemeinsam durch die engen, verwinkelten Gassen der Altstadt Bari. Da knarzt eine alte Tür im Wind und plötzlich stehen wir vor Santa Chiara - eine Kirche, deren Geschichte so bunt und wechselhaft ist wie ein italienischer Straßenmarkt. Ursprünglich war sie die Heimat der deutschen Ritter! Ja, richtig gehört: Vom Ende des 12. Jahrhunderts an lebten viele Pilger und Kreuzfahrer aus dem Norden hier. Damals hieß sie „Santa Maria degli Alemanni“ - und nebenan war das Haus des Deutschen Ordens. In den dicken, kühlen Mauern wurden damals Geschichten über ferne Schlachten und die Sehnsucht nach Jerusalem erzählt.
Die Teutonen hatten sogar eine eigene Madonna - die „Madonna degli Alemanni“. Stell dir vor, Pilgerstiefel auf dem Steinboden, Männer in Rüstung, während draußen die Sonne glüht und die Luft nach Meer riecht. Im Jahr 1492 wurde aus der Kirche ein Kloster der Klarissen, dem strengen Orden der Heiligen Klara. Doch vorher musste sogar ein Papst sein Okay geben - auf Wunsch von Ludovico il Moro, einem echten Machtmenschen! Die Zeiten blieben stürmisch: Mal mischten die Teutonen noch mit, dann ging alles an die Nonnen über. Manchmal lebten über 40 Schwestern hier! Aber keine Sorge, sie waren friedlich - nur vielleicht ein bisschen lauter, wenn sie zusammen sangen.
Im 16. Jahrhundert, mitten in der Sforza-Blütezeit, wurde die Kirche runderneuert - gesponsert von der mächtigen Bona Sforza, auch Königin von Polen! Doch damit nicht genug: 1730 kam der nächste Umbau mit viel Baulärm. Irgendwann reichte es - 1809 löste man das Kloster auf und verwandelte die Kirche sogar in eine Kaserne. Stellt euch den Lärm der Soldaten und irgendwann 1897 das Krachen, als die obere Hälfte des barocken Turms abgerissen wurde.
Heute ist das alles Geschichte. Im Inneren ruhen nun die "Misteri della Vallisa" - lebensgroße Statuen, die zur Karfreitagsprozession gehören und ihre eigene dramatische Stimmung verbreiten. 1994, ein einziges Mal, zog die berühmte Osterprozession von hier los - wie ein letztes Aufbäumen alter Traditionen, während die Morgensonne durch das Rosenfenster fiel. Santa Chiara schweigt nun, doch ihre Mauern könnten Geschichten erzählen - von Rittern, Nonnen, Königinnen und einer Stadt im ständigen Wandel.



