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Flohmarkt-Tour

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Flohmarkt-Tour

Vor dir erhebt sich die Tour aux Puces, ein massiver, vielkantiger Turm aus verschiedenfarbigen Steinblöcken mit kleinen Fenstern und einem schlichten Eingang - schau einfach nach links, dort zieht dieses uralte Bauwerk alle Blicke auf sich.

Stell dir vor, du befindest dich im 12. Jahrhundert, umgeben von mächtigen Steinmauern. Über dir kreischen Dohlen. Dies hier ist nicht irgendein Gebäude, sondern der älteste noch stehende Turm von Thionville. Früher war dies der Donjon, also das Herzstück der Festung der Grafen und später der Herzöge von Luxemburg. Genau hier, wo du jetzt stehst, war einst ein palastähnlicher Bau der Karolinger, der schon vor über tausend Jahren existierte. Die Mauern sind unfassbar dick, das Fundament ist kreisrund und noch heute siehst du an der Nordostseite die ältesten Steine - Überreste von etwa 1100.

Der Name „Tour aux Puces“ klingt auf Französisch nach Flohturm, doch das ist eigentlich nur ein Missverständnis. Im luxemburgischen Dialekt hieß sie „Pëtztuurm“, was schlicht „Brunnenturm“ bedeutet. Aber Fantasie kannten die Leute in Thionville immer schon. So erzählt man sich, eine vierzehnjährige Prinzessin sei hier einst eingesperrt gewesen, gemeinsam mit tausenden bissigen Flöhen. Niemand weiß ihren Namen. Die Legende berichtet gruselig, dass von ihr am Ende nur die Haare und die Zähne übrig blieben - jawohl, diese Reliquien soll der Turm noch heute bewahren!

Im Mittelalter war dieser Turm Mittelpunkt des Geschehens: Hier wurde Recht gesprochen, hier stand die Macht. 1292 wurde der Turm zum Sitz des Vogts, eines mächtigen Beamten, und blieb es über zweihundert Jahre. Nach und nach wurde die Anlage immer wieder umgebaut: Außenmauern durchbrochen, steinerne Treppen eingebaut, neue Dächer errichtet. Der spanische Einfluss im 16. Jahrhundert brachte eine neue Zeit der Befestigungen. Plötzlich gehörte der Turm zum militärischen Arsenal, wurde verstärkt - und mit einer symbolträchtigen Deckeninschrift von 1583 versehen.

Wenn du dich einmal langsam um den Turm drehst, spürst du, wie unterschiedlich die Steine sind: Einige stammen aus längst zerstörten Häusern, andere könnten von einer alten Kapelle stammen - so sagt es zumindest die Legende. Es gibt gar Leute, die behaupteten, im runden Fundament stecke das geheimnisvolle Herz einer karolingischen Kirche. Vielleicht, ganz vielleicht, hört man abends noch die Echos der alten Glocken.

Dabei war der Turm nicht immer so frei sichtbar wie heute. Noch vor hundert Jahren schmiegte sich ein ganzes Häusermeer an seine dicken Mauern. Erst durch die Zerstörung der Festungsanlagen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, trat die Tour aux Puces wieder ins Rampenlicht. Und was geschah danach? Thionville schenkte dem Turm neues Leben und machte ihn zum Museum. Schon 1904 wurden die Zinnen zur Mosel hin hinzugefügt, eine Terrasse gebaut und eine neue Nutzung gefunden.

Doch der Frieden war wieder nicht von Dauer. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Turm von amerikanischen Bombardements schwer getroffen. Trümmer, Lärm, Staub - aber die Geschichte ließ sich nicht vertreiben. Nach der Restaurierung 1966 erzählten die Mauern weiter von Rittern, Kämpfen und Legenden. Einmal war er auch als Gefängnis vorgesehen, doch dazu kam es nie ganz.

Heute kannst du im Inneren des Turms auf acht Etagen in die Geschichten von Thionville eintauchen: Von der Vorzeit bis zur Renaissance, von alten Waffen bis zu filigranen Schmuckstücken, sogar zur berühmten, verschwundenen Schlüssel-Legende, bei der ein Wächter die Diebe nach Lemestroff entkommen sah - der Schlüssel blieb auf ewig verschollen.

Am Ende stehst du also vor einem Bauwerk, das viele Zeiten in sich trägt: Mal Gerichtsgebäude, mal Festung, mal Museum, immer wieder zerstört und neu geboren, immer mit einem kleinen Augenzwinkern und viel Sinn für das Mythische und Geheimnisvolle. Spürst du jetzt die kalte Mauer unter deiner Hand, das Raunen vergangener Jahrhunderte, die Geschichten von verschwundenen Schlüsseln, geheimen Räumen und vielleicht - vielleicht - der Prinzessin aus der Legende? Drehe dich noch einmal um, atme tief durch, und du bist mittendrin in der Magie dieses uralten Ortes.

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starstarstarstarstar
Das war eine solide Art, Brighton kennenzulernen, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen. Die Erzählung hatte Tiefe und Kontext, übertrieb es aber nicht.
Christoph
Christoph
Brighton-Tour
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Habe diese Tour mit einem Croissant in der einen Hand und null Erwartungen gestartet. Die App schwingt einfach mit einem mit, kein Druck, nur man selbst, Kopfhörer und ein paar coole Geschichten.
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