Vor dir erhebt sich das Hyacinthe-Rigaud-Museum, das du leicht an seiner eleganten Steinfassade und den kunstvollen Fensterbögen erkennst - halte einfach nach dem Gebäude Ausschau, das wie ein schickes Stadtschloss aussieht und dessen riesige Fenster schon neugierig hineinschauen lassen.
Jetzt stell dir vor, du stehst nicht einfach vor irgendeinem Museum, sondern an einem Ort, der so viele Geheimnisse birgt wie ein richtig gutes französisches Baguette Krümel! Vor mehr als zweihundert Jahren, im Jahr 1820, war hier noch gar nichts von Kunst zu sehen - stattdessen schwirrten überall Ideen herum und ein äußerst ehrgeiziger Mann, der Präfekt Emmanuel-Ferdinand de Villeneuve-Bargemon, beschloss, dass Perpignan seine eigene Schatzkammer für die schönen Künste verdient hat. Manchmal frage ich mich, ob er schon damals geahnt hat, dass sich später Gemälde von Meistern wie Picasso und Maillol ein Stelldichein mit barocken Prunkstücken geben würden.
Anfangs waren es nur etwa dreißig Gemälde, die sich durch großzügige Leihgaben von lokalen Sammlern und einige kluge Einkäufe ansammelten. Zwei davon ließen das Kunstherz der Perpignaner höherschlagen: Werke von Hyacinthe Rigaud - der absolute Superstar der Region! Stell dir vor, du bist ein kleiner Junge in Perpignan und plötzlich wirst du zum Porträtgiganten am französischen Hof... Rigaud hätte wahrscheinlich ordentlich die Künstlermütze gelüpft, hätte er sein Portrait vom Kardinal de Bouillon und das „Selbstporträt mit schwarzer Schleife“ an solch einem Ehrenplatz gesehen.
Das Museum öffnete seine Türen für neugierige Besucher erstmals 1833 - und zwar, tadaa, in der ehemaligen, leerstehenden Universität der Stadt. Keine schlechte Adresse, oder? Hier herrschte plötzlich wieder Leben, nicht mit kreidestaubigen Professoren, sondern mit neugierigen Kunstliebhabern.
Machen wir einen kleinen Zeitsprung: 1953 feierte Perpignan den 300. Geburtstag von Hyacinthe Rigaud. Grund genug, dem Museum einen schicken neuen Anstrich und eine Sonderabteilung zu spendieren! Von da an regnete es berühmte Bilder: ein Selbstporträt mit Turban (stell dir Rigaud mal mit Turban vor - Olé!), dazu offizielle Porträts von Adligen wie Philippe d’Orléans und sogar das seltene Gemälde, auf dem Rigaud sich selbst neben dem Porträt von François Castanier zeigt. Immer wenn man glaubt, jetzt ist aber wirklich alles gesammelt, kommt noch etwas dazu, wie bei einer Keksdose, die nie leer wird.
1979 bekam das Museum dann ein neues Zuhause, und zwar im ehemaligen Hôtel de Lazerme, Nummer 16 in der Rue de l’Ange. Klingt nach Engel, nicht wahr? Diese Location wurde zur perfekten Bühne für all die Kunstwerke, die im Lauf der Jahre dazugekommen sind.
Dann kam 2017 und - zack! - wurde alles noch einmal größer, moderner und ein bisschen spektakulärer. Plötzlich verband man auch das Hôtel de Mailly mit dem de Lazerme und schuf auf 4.100 Quadratmetern Platz für allerlei Kunstschätze. Drei Jahre Baustellenatmosphäre voller und dann die große Wiedereröffnung! Seitdem pilgern Besucher aus aller Welt hierher, manchmal über 70.000 pro Jahr - das ist mehr als alle Katzen in Perpignan zusammengenommen!
Was dich im Inneren erwartet? Ein wahres Fest für die Sinne! Du schlenderst durch vier große Themenwelten: gotische Kathedralskunst, barocke Prunkstücke, moderne Kunst und natürlich zeitgenössische Überraschungen - insgesamt werden rund 450 Werke ausgestellt, jedes mit seiner eigenen Geschichte. Picasso grüßt dich mit seinem Porträt von Paule de Lazerme - fun fact: Paule trug darauf eine katalanische Tracht, wahrscheinlich, damit auch Picasso ein bisschen Lokalkolorit lernt!
Aristide Maillol zeigt seine Badenden, Raoul Dufy seine farbenfrohen Atelierszenen, und Rigaud malt so realistisch, dass man meint, sein gemaltes Lächeln könnte gleich über den Rahmen flirten. Und mittendrin? Arbeiten wie der prachtvolle gotische „Retabel der Dreifaltigkeit“ von 1489. Hast du Appetit auf noch mehr Anekdoten? Einem Werk von Rigaud wurde in Paris einst Champagner geopfert, um das Lackieren nicht zu unterbrechen… Das nenn ich Künstlerleidenschaft!
Und als hätte die Vergangenheit noch nicht genug zu bieten, veranstaltet das Museum immer wieder Sonderausstellungen, bei denen Picasso und Konsorten fast ein bisschen nervös auf ihren Sockeln herumrutschen müssen, so spannend und ungewöhnlich ist die Neuauswahl.
Wenn du jetzt weitergehst, nimm dir einen Moment Zeit, um den Geist von Rigaud, Picasso oder Maillol zu spüren… und falls du ganz still bist, hörst du vielleicht das leise Klicken von Kameraauslösern und das Prusten der Bewunderung über all die Jahrhunderte hinweg.




