Vor dir siehst du einen etwas geheimnisvoll wirkenden Eingang: ein großes, steinernes, halb verfallenes Rundbogenportal mit abgewetzten, hellen Mauerquadern, rechts und links begleitet von vergitterten Fenstern - halte nach dem Bogen und den alten Eisenstäben Ausschau, dann hast du das Kloster der Damen von Saint-Sauveur gefunden!
Stell dir vor, wir werfen einen Blick zurück ins 13. Jahrhundert. Die Straßen um dich herum sind noch nicht voller Autos und Fahrräder, sondern von Mönchen, Nonnen und vielleicht ein paar neugierigen Katzen bevölkert. An diesem Ort gründete eine Gemeinschaft von Frauen, die sich den Regeln des heiligen Augustinus verschrieben hatten, ein Kloster: Die Damen von Saint-Sauveur. Der Duft von Brot aus der Klosterküche lag in der Luft, während in den stillen Mauern Gebete geflüstert wurden. Das Kloster wuchs, berühmt für seine Güte und Hilfe für die Gemeinde von Perpignan, bis eines Tages - ZACK! - die Französische Revolution auch hier mit Pauken und Trompeten Einzug hielt.
Die letzten Stundenschläge des Klosters läuteten 1792, als ein Dekret verkündete: Ab jetzt ist Schluss mit Klosterleben! Man stelle sich die Aufregung vor - als würde jemand heute die Kaffeemaschine aus dem Büro entfernen. Nichts war mehr, wie es war: Die Nonnen mussten gehen, die Mauern wechselten ihre Bewohner und sogar das Mobiliar wurde verteilt. Möchtest du wissen, wo die schönsten Altäre landeten? Im kleinen Ort Vinça, dort stehen sie noch heute. Irgendwo rieben sich ein paar Mönche sicherlich verwundert die Augen: Da baut man jahrhundertelang an Altarretabeln - und schwupps, stehen sie plötzlich an einem anderen Ort. Vor allem das Meisterwerk aus dem Atelier von Jean-Jacques Mélair, ein riesiger, goldener Altar, kam dorthin.
Das Klostergelände selbst wurde zu allem Möglichen umfunktioniert. Im 19. Jahrhundert verschwand sogar der prächtige Kreuzgang für eine neue Straße und eine Schule - Technik und Erziehung erstehen halt aus alten Steinen! Es folgten turbulente Zeiten: In diesem ehrwürdigen Gemäuer trainierten schlitzige Schüler im Gymnastikraum, Freimaurer-Brüder diskutierten geheimnisvoll in Logen und für eine Weile wurde hier sogar gründlich gebadet, denn ein Teil des Klosters war ein öffentliches Bad. Vielleicht hat die eine oder andere Nonne vor Schreck die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: „Was? Mein Kloster, jetzt ein Schwimmbad?“
Obwohl heute nur noch die Kapitelsaal aus dem Jahr 1271 original erhalten ist, bewahrt dieser Ort eine gewisse Magie. Im Jahre 2017 ist sogar das Universitätsleben eingezogen: Vom Glockenschlag zur Vorlesung, von Gebeten zum Studentenalltag! Und die alten Steine? Die wachen immer noch mit steinerner Geduld über alle, die hier ein- und ausgehen.
Also, lass deinen Blick noch einmal über die knorrigen Mauern schweifen. Vielleicht kannst du das Echo von Flüstern, Lachen und Schwimmen aus längst vergangenen Tagen erahnen - oder du hörst einfach das nächste Klingeln vom Handy eines Studenten.



