Direkt vor dir erhebt sich ein elegantes, gelbliches Stadtpalais mit Säulen, acht großen Fensterachsen und Balkonen - schau nach den auffälligen Rundbogenfenstern und der kunstvollen Statue in der Mitte des Innenhofs!
Willkommen vor dem Hôtel Pams! Halt einen Moment inne und stell dir vor, wie hier einst das lebendige Herz des feinen Lebens von Perpignan schlug. Das hier war nicht einfach nur ein Haus - das war eine kleine Fantasiewelt, irgendwo zwischen Museum, Party-Villa und Kunstgalerie. Alles begann mit Pierre Bardou, einem Pionier der Zigarettenpapier-Industrie. Kannst du den Duft nach Papier und Druckerschwärze fast riechen? Damals, im 19. Jahrhundert, tönte vermutlich Hämmern und Rattern durch die Straßen, denn Pierre ließ gleich mehrere Häuser zusammenkaufen und zauberte daraus eine Mischung aus Fabrikhalle und Familienresidenz, immer belebt, stets ein Gewirr aus Arbeitern, Kindern und - das darf man nicht vergessen - seiner Schwägerin Henriette, die nach dem frühen Tod seiner Frau das Ruder im Haushalt schwang.
Stell dir mal vor, wie Pierre Bardou durch die Gänge lief, ständig auf der Suche nach seltenen Kuriositäten. Wenn ihm draußen auf einem Markt etwas Seltsames in die Finger kam, dann wanderte es direkt neben exotische Uhren, Masken oder Vasen in seine Sammlung. Doch als wäre das Leben nicht schon bunt genug: Seine Tochter Jeanne heiratete einen echten Kunstfreund, Jules Pams, einen lokalen Politiker mit Hang zu großem Stil. Ich schwöre, der Mann hatte wahrscheinlich sogar einen goldenen Kamm fürs Frühstücksei!
Jules Pams verwandelte das schlichte Kaufmannshaus in ein glitzerndes Juwel. Irgendwo zwischen 1894 und 1897 ließ er alles umbauen, was nicht niet- und nagelfest war - Goldleisten an den Wänden, Onyxböden, edle Marmortreppen. Der Duft von teurem Parfüm, poliertem Holz und frischer Farbe zog wohl durch das Haus. Statt Arbeiterlärm hörte man hier plötzlich mondäne Tänze, Klaviermusik und herzhaftes Lachen der allerfeinsten Gesellschaft: Die High Society von Perpignan traf sich mittlerweile genau hier, im Hôtel Pams. Und falls du dich fragst, ob das alles ein bisschen übertrieben klingt: Die berühmtesten Künstler der Zeit kamen vorbei - Paul Gervais etwa, dessen Gemälde bezaubernde Frauen, Mythen und die "guten Seiten der Zivilisation" feierten. Wer weiß, vielleicht hast du ja Glück und spürst, wie ein Hauch der alten Leidenschaft noch durch den Hof weht?
Jetzt schau dich einmal genauer um - überall zieren florale Keramikfriese die Mauern, und im Zentrum des Innenhofs trällert eine Marmornymphe stumm ihr Lied auf einem Sockel. Wenn du ganz leise bist, kannst du dir vorstellen, wie der Flötenspieler aus Bronze seinen Klang in den lauen Abendhimmel trägt. Der Innenhof ist von Säulen umrahmt, ein Hauch antiker Tempel, und direkt darüber ziehen sich lichte Arkadengänge entlang. Dahinter geheimnisvolle Gemälde, auf denen Allegorien und Meereslandschaften an vergangene Abenteuer der Familie erinnern - vielleicht klopft in diesem Moment das Herz eines Kaufmanns, der gerade mit einem Handelsschiff nach Afrika aufbricht.
Das Hotel war einst wie ein privates Kunstmuseum, dabei fast schon ein Rivale zum städtischen Musée des Beaux-Arts. Und natürlich brauchte ein solches Haus auch das richtige Personal - Henriette kümmerte sich weiterhin liebevoll um Pierre Michel Bardou, das Kind von Jeannes Bruder, und sorgte dafür, dass immer frische Croissants auf dem Frühstückstisch lagen, auch wenn draußen Politik gemacht oder Kunst gefeiert wurde!
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eröffnete Jules Pams das rechte Flügel des Hauses für Gäste und Besucher, während er links seine privaten Gemächer hatte. Ein Trick, damit niemand in seinen Pyjama hineinlaufen konnte! Nach dem Tod von Jeanne heiratete er nochmals - Marguerite Holtzer - und so wechselten die Rollen weiter, bis Marguerite 1946 das Haus an die Stadt verkaufte. Seitdem gehört das Hôtel Pams allen - naja, zumindest bei besonderen Gelegenheiten. Denn leider bleibt es meistens verschlossen, öffnet aber im September für die berühmte Visa pour l’Image-Fotoausstellung und zu den Europäischen Tagen des Denkmals. Wer weiß, vielleicht hast du ja im Spätsommer einmal selber die Gelegenheit, einen Blick in die prachtvolle Halle mit ihrer Kuppel zu werfen, von der ein magisches Licht fällt und die Geschichten der alten Zeit wachkitzelt.
Also, halte die Augen offen: Hinter jeder Balustrade, jedem Fenster und jeder Statue versteckt sich ein Stück Perpignans glanzvoller Vergangenheit - und vielleicht auch der eine oder andere Geist, der noch immer über den nächsten gesellschaftlichen Empfang sinniert.




