Und so, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer, kommen wir ganz sanft ans Ende unseres Spaziergangs durch Bastia.
Am Anfang stand die Stadt selbst - nicht bloss ein Punkt auf der Landkarte, sondern etwas Lebendiges, Eigenwilliges. Von dort ging es zum Hotel de Ville, dem Rathaus, wo das öffentliche Leben seit Langem seine förmliche, beinahe feierliche Seite zeigt. Und weiter zu den Departmental Archives of Haute-Corse: dem Departementsarchiv von Haute-Corse. Ein Archiv ist, schlicht gesagt, das Gedächtnis einer Region - ein Ort, an dem Akten, Urkunden und Karten so sorgsam bewahrt werden, als hielte man eine kleine Flamme mit ruhigen Händen gegen das Vergessen.
Wir überquerten die Place Saint-Nicolas, weit und grosszügig, und tauchten dann in die Market Square ein, den Marktplatz, wo der Alltag seine eigene, ehrliche Sprache spricht. Bei Saint-Jean-Baptiste standen wir vor einer Kirche, die gleichzeitig Kraft und Zartheit ausstrahlt. An der Synagogue of Bastia Beth Meir berührten wir einen weiteren Faden in Bastias Geschichte - leiser vielleicht, aber nicht weniger kostbar. Und dann Arte Mare: ein kultureller Ort, der zeigt, dass eine Stadt nie nur aus dem besteht, was sie war, sondern auch aus dem, was sie sich zu denken traut.
Bei Saint-Charles-Borromee spürten wir, wie Andacht zu Stein werden kann. An U Puntettu hielten wir an so einer schönen Kante inne, an der sich eine Stadt plötzlich dreht und sich neu zeigt. Vor dem Governors’ Palace, dem Gouverneurspalast, trat Geschichte mit mehr Gewicht, mit mehr Schatten an uns heran - und erinnerte daran, wie nah Schönheit und Macht oft beieinander stehen. Und mit der Pro-Cathedral of Sainte-Marie, der Prokathedrale, also einer Kirche, die die Rolle einer Kathedrale übernimmt, und der Church of Sainte-Croix zog Bastia uns fast ins Private, als hätte die Stadt uns aus ihren repräsentativen Räumen in ihr stilles Inneres gebeten.
Das ist vielleicht das eigentliche Geschenk dieses Ortes: Bastia drängt sich nicht auf. Es lässt einen näherkommen. Es lässt einen den abgenutzten Stein bemerken, die Stille hinter einer Tür, den unerwarteten Blick um eine Gasse - und wie Glaube, Handel, Erinnerung und Stolz hier überall Spuren hinterlassen haben. Man muss nur aufmerksam sein. Dann wird Vergessen schwer.
Vielleicht nehmen Sie nicht nur Namen und Gebäude mit, sondern ein Gefühl: durch eine Stadt gegangen zu sein, die weiss, wer sie ist. Salz in der Seele, Andacht in den Mauern, Geschichten in jeder Ecke - wartend auf den richtigen Zuhörer.
Danke, dass Sie mit mir unterwegs waren. Es war mir eine Freude, Sie durch diese dreizehn Stationen zu begleiten und Bastias stille Pracht mit Ihnen zu teilen. Bis zur nächsten Reise: Bewahren Sie ein wenig Platz im Herzen für diese Stadt am Meer. Sie hat ihn sich verdient.


