Willkommen am Oulun Lyseon lukio, einer Schule, die kluge Köpfe schon trainiert hat, als gute Noten und Kaffeepausen eher nach Kerzenlicht organisiert wurden. Vor dir steht ein stattlicher neoklassizistischer Bau. Neoklassizistisch heißt: klare Linien, Säulen, Symmetrie, ein bisschen wie „Antike zum Anfassen“. Gezeichnet wurde das Gebäude im Jahr achtzehnhunderteinunddreißig vom berühmten Architekten Carl Ludvig Engel.
Damals war Oulu voll mit schwedischsprachigen Schulen. Und dann, im Jahr achtzehnhundertvierundsiebzig, machten ein paar Idealisten um Wilhelm Lindstedt hier Nordfinnlands erste finnischsprachige Schule auf. Stell dir den Mut vor: wenig Geld, unklare Zukunft, aber große Pläne.
In den achtzehnhundertachtziger Jahren half staatliche Unterstützung beim Wachstum, aus privat wurde eine staatliche Institution. Das Haus bekam Extras: eine Erweiterung im Jahr achtzehnhundertfünfundsiebzig mit einem eindrucksvollen Festsaal, und im Jahr neunzehnhundertsieben kam eine Turnhalle dazu, entworfen von Theodor Granstedt.
Und altmodisch? Keine Spur. Seit neunzehnhundertzweiundneunzig gibt es hier das International Baccalaureate Programm, kurz I-B. Das ist ein international anerkannter Schulabschluss. Schüler kommen von überall her, sogar sportliche Talente aus Sotkamo, und manche sind per Fernunterricht aus Tyrnävä dabei. Reinkommen ist anspruchsvoll. Und wenn hier mal ein Buch verschwindet: Wahrscheinlich versteckt es sich in irgendeiner ehrwürdigen Ecke, Lyseo-typisch.


