Du suchst ein größeres, hellgrünes Eckhaus mit zwei Stockwerken und klassisch weiß eingefassten Fenstern. Schau einfach an den Rand des Franzén-Parks, genau an der Kreuzung von Kajaaninkatu und Kirkkokatu.
Willkommen beim Franzén-Haus. Hier klebt Geschichte fast an den Wänden. Stell dir das Jahr achtzehnhundertneunundzwanzig vor: Oulu erholt sich gerade von einem verheerenden Brand. In manchen Kellern war der Ruß noch Thema, während Johan Franzén schon dieses elegante Gebäude im Empire-Stil plante. Empire-Stil heißt: klare Linien, viel Symmetrie, ein bisschen „staatstragend“, als hätte das Haus einen eigenen Gehstock.
Und jetzt kommt der Zeitsprung: In den sechzehnhunderter Jahren stand hier eine sogenannte Trivialschule, also eine höhere Schule der Zeit mit Fächern wie Grammatik, Rhetorik und Logik. Später hallte im Haus das Leben einer Mädchenschule wider: Sara Wacklin unterrichtete hier in den achtzehnhundertdreißiger Jahren.
Halte kurz Ausschau nach den Gedenktafeln für Sara Wacklin und den Dichter Samuel Gustaf Bergh, dessen Haus früher genau hier stand. Und als ob das nicht dramatisch genug wäre: Stadtväter wollten das Gebäude jahrelang zum Rathaus machen, doch lange Gerichtsprozesse haben ihnen den Plan zerschossen. Heute zieht aus dem Erdgeschoss ein anderer Duft in die Geschichte: das türkische Restaurant Hagia Sofia. Oulu serviert Vergangenheit eben gern mit Würze.



