Vor dir steht ein stattliches, gelbliches Steingebäude mit zwei Türmen, breiten Holzportalen und einer Treppe, die geschniegelt nach oben führt. Genau hier, im Maria-Silfvan-Park, thront das Rathaus von Oulu, als würde es jeden Moment eine Rede halten.
Dieses Haus hat mehr Wendungen erlebt als eine Fernsehserie. Fertig wurde es im Jahr achtzehnhundertsechsundachtzig, entworfen von Johan Erik Stenberg im Stil der Neorenaissance. Neorenaissance heißt: Man hat sich bei der Renaissance bedient, also bei den eleganten Formen und dem „Wir können’s uns leisten“-Auftritt vergangener Jahrhunderte, nur eben als spätere Neuauflage. Das war kein Zufall: Nur vier Jahre zuvor, im Jahr achtzehnhundertzweiundachtzig, fegte ein verheerender Brand durch Oulu, und der einzige Festsaal der Stadt ging in Flammen auf. Dieses robuste Steinhaus wurde zum Symbol für einen Neustart.
Drinnen ging’s jahrzehntelang glanzvoll zu: Theater, politische Treffen, alles. Und seit neunzehnhunderteinundzwanzig tagt hier der Stadtrat.
Geh einmal Richtung Torikatu: Dort siehst du „Ajan kulku“, eine Bronzeskulptur von Sanna Koivisto. Sie erzählt Oulus Geschichte von den sechzehnhundertern bis heute. Und natürlich hat auch das Rathaus Geheimnisse: Seit zweitausendneunzehn wird renoviert, nachdem rätselhafter Schimmel entdeckt wurde, also ein Pilzbefall in den Materialien. Dabei tauchten sogar funkelnde Glaskunst und vergessene Zeitungen aus den neunzehnhundertzwanzigern auf. Oulu lässt eben ungern alles sofort raus.



