Und damit stehen wir am Ende unseres Spaziergangs durch Antwerpen.
Begonnen haben wir am Boerentoren, jenem Hochhaus-Pionier, an dem die Stadt den Kopf hebt und nach vorn schaut. Von dort ging es zur Liebfrauenkathedrale, wo Stein und Stille Jahrhunderte tragen, ohne schwerfällig zu wirken. Am Brabo-Brunnen zeigte Antwerpen dann seine Lust am großen Auftritt; diese Figurengruppe erzählt die Stadtlegende mit einer Prise Theater. Und vor dem Rathaus standen wir an einem Ort, der über Generationen hinweg Stolz und Streit, Ehrgeiz und ganz gewöhnliches Leben über den Platz ziehen sah.
Weiter ging es zur Sankt-Paulus-Kirche, wo Glaube und Kunst wie in derselben ruhigen Sprache sprechen. Im Plantin-Moretus-Museum kamen wir dem Handwerk des Druckens ganz nah: Tinte, Papier, Setzkästen und Pressen, und vor allem geduldige Hände. Ein Setzkasten, das ist im Grunde eine Schublade mit vielen kleinen Fächern, in denen einzelne Buchstaben aus Metall liegen, bereit zum Zusammensetzen. Und man merkt: Große Umbrüche beginnen oft in einem Zimmer, das kaum größer ist als das, in dem man gerade steht. Auf der Groenplaats öffnete sich die Stadt wieder, mit Raum, um das Treiben zu beobachten. Im Museum De Reede trafen wir auf schärfere Kanten und dunklere Linien, auf jene eigentümliche Ehrlichkeit, die Kunst haben kann, wenn sie nicht wegschaut.
Dann kam die Sankt-Walburga-Kirche, ein Ort, an dem Erinnerung und Verlust spürbar bleiben, als würde sich die Vergangenheit eher absetzen als verschwinden. Am Het Steen, direkt am Fluss, wirkte Antwerpen alt und wachsam, als lausche es schon länger auf Schritte und Stimmen, als irgendwer zählen könnte. Im Museum Vleeshuis hörten wir den Nachhall von Handwerk und Musik, von Handel und täglicher Arbeit; eine Stadt, die sich selbst formt. Und in der Sankt-Karl-Borromäus-Kirche wurde aus Pracht Andacht, und aus Andacht wurde Schönheit.
Wir streiften die stille Hendrik-Conscience-Erbgoedbibliothek; eine Erbgoedbibliothek, das ist eine Bibliothek, die bewusst kulturelles Erbe bewahrt, nicht nur Bücher verleiht. Gedanken scheinen dort in den Regalen zu ruhen, bis ein neugieriger Mensch sie weckt. Und hier, im Predikherenklooster, endet unsere Runde an einem Ort, der passt: etwas zurückgenommen, etwas still, und gerade deshalb aufmerksamkeitsstark.
Das eigentliche Geschenk dieses Weges war nie nur eine Reihe schöner Gebäude. Schritt für Schritt hat Antwerpen seine vielen Gesichter gezeigt: das stolze, das fromme, das geschäftige, das verwundete, das verspielte, das nachdenkliche. Wenn Sie hin und wieder dieses kleine Ziehen in der Brust gespürt haben, wenn ein Ort plötzlich Bedeutung bekommt, dann ist das ganz normal. Ein Turm fängt den Blick. Ein Portal hält einen Moment länger fest. Ein Platz wirkt vertraut, obwohl man gerade erst angekommen ist. Und irgendwann hat die Stadt ein kleines Zimmer in der Erinnerung bezogen.
Danke, dass Sie mich durch Antwerpen begleitet haben. Es war mir eine Freude. Und nun nehmen wir Abschied. Aber ich habe den Verdacht: Antwerpen ist mit Ihnen noch nicht ganz fertig.


