
Zu Ihrer Rechten sehen Sie ein symmetrisches Gebäude aus glatt behauenem Quaderstein, das von einem spitzen Uhrenturm gekrönt wird und vor dem eine historische Bronzestatue Wache hält. Das ist das Stadthaus von Peterhead, ein Ort mit einer etwas hitzigen Vorgeschichte.
Das erste Verwaltungsgebäude an exakt dieser Stelle war ein sogenanntes Tolbooth, was im Schottland des siebzehnten Jahrhunderts eine praktische, wenn auch oft ungemütliche Kombination aus Rathaus, Zollstation und Gefängnis darstellte. Während der großen Pest von 1645 funktionierte man es aus der Not heraus zu einem Krankenhaus um. Kurz darauf brannte es bis auf die Grundmauern nieder. Das ist zwar eine ziemlich extreme Form der Infektionskontrolle, aber man muss zugeben, sie war zweifellos effektiv. Das zweite Gebäude folgte 1665, in Auftrag gegeben von William Keith, einem Adligen, der gerade erst aus der Gefangenschaft im Tower of London entlassen worden war. Er wusste offenbar aus erster Hand, wie wichtig ein solides städtisches Gefängnis für die Gesellschaft ist.
Das Bauwerk, vor dem Sie jetzt stehen, wurde jedoch erst 1788 fertiggestellt. Der Architekt, John Baxter der Jüngere, entwarf es im neoklassizistischen Stil, was klare Linien, exakte Symmetrie und einen Hauch von antiker Autorität bedeutet. Er verwendete dafür Quaderstein, also perfekt rechteckig behauene und nahtlos aneinandergefügte Steinblöcke, die dem Ganzen seine formelle Strenge verleihen. Wenn Sie den Blick nach oben richten, sehen Sie im Turm eine Uhr, die von dem lokalen Uhrmacher James Argo präzise gefertigt wurde. Darüber befindet sich der Glockenturm mit einer Glocke aus der renommierten Londoner Whitechapel Gießerei.
Vielleicht fällt Ihnen der massiv wirkende Vorbau in der Mitte auf, der nicht ganz zum Rest der Fassade passen will. Die ursprüngliche Konstruktion hatte dort eine ausladende, völlig ungeschützte Außentreppe, die in den ersten Stock führte. Im Jahr 1881 entschied der Baumeister William Stuart jedoch, dass eine offene Treppe im rauen schottischen Wind ein konstruktiver Fehler war, und mauerte sie kurzerhand mit diesem zweistöckigen Konstrukt ein. Ein klassischer Sieg der Funktion über die Form.
Und dann ist da noch der in Bronze gegossene Herr auf dem Sockel. Das ist Feldmarschall James Keith. Er fiel 1758 im Dienst Friedrichs des Großen in der Schlacht bei Hochkirch. Diese Statue war 1868 ein großzügiges Geschenk des preußischen Königs Wilhelm des Ersten an die Stadt.
Interessanterweise entging dieses architektonische Werk vor wenigen Jahren nur knapp dem völligen Verfall, bevor es 2021 von einem Team lokaler Handwerker komplett saniert wurde. Falls Sie an einem Wochentag zwischen viertel vor neun und siebzehn Uhr hier sind, können Sie vielleicht einen Blick hineinwerfen, am Wochenende bleibt das Gebäude allerdings geschlossen. Lassen Sie die klare Architektur noch kurz auf sich wirken, bevor wir uns gemütlich auf den Weg zur nächsten Station machen.



