Willkommen am Grassmarket! Vor dir liegt ein breiter, kopfsteingepflasterter Platz, eingerahmt von hohen, ehrwürdigen Häusern. Viele davon sind heute ziemlich gut gelaunt: Cafés, Pubs und kleine Läden drängen sich aneinander, als hätten sie sich verabredet. Schau jetzt mal nach oben rechts: Dort thront Edinburgh Castle auf dem Felsen, dramatisch wie ein Hollywood-Bösewicht, der den ganzen Platz im Blick behält. Und weil der Grassmarket tiefer liegt als die Straßen ringsum, fühlt es sich ein bisschen an, als wärst du in eine versteckte Tasche im Herzen der Stadt gerutscht.
Jetzt drehen wir die Zeit zurück. Stell dir statt Kaffeetassen das Klappern von Hufen vor und das Muhen von Rindern: Hier wurden Tiere durchgetrieben und verkauft. Händler aus ganz Schottland quetschten sich an Stände voller frischem Gemüse, Eisenwaren, streng riechendem Teer, also dieser schwarzen Dichtmasse für Holz und Schiffe, und Töpfchen mit Malerfarben, knallig wie ein frisch gestrichener Gartenzaun. Der Name Grassmarket kommt tatsächlich von den grasbewachsenen Pferchen, also eingezäunten Tiergehegen, und vom Marktrummel. Wenn du ihn nicht gefunden hättest, hättest du ihn spätestens gehört.
Und dann die düstere Seite: Am Südwestende siehst du den Vennel, das ist eine schmale, steile Gasse mit Stufen. Mit etwas Fantasie stehen dort wieder die Flodden- und Telfer-Stadtmauern Wache. Hier gab es Jahrmärkte, aber auch öffentliche Hinrichtungen, bei denen die Menge nicht nur zuschaute, sondern manchmal auch lieber das Weite suchte.
Sogar Daniel Defoe lief über diese Steine und schrieb, der Bow, gemeint ist der Straßenbogen West Bow, sei voller Händler mit allen möglichen schweren Waren gewesen. Und für ein bisschen literarischen Klatsch: Wordsworth und Robert Burns übernachteten im White Hart Inn. In den eintausendachthundertvierziger Jahren war das eher Abenteuer als Komfort: über zehn Leute in einem Zimmer, Privatsphäre praktisch ausverkauft, und eine Toilette zu finden war… sportlich.
Heute ist der Grassmarket immer noch Treffpunkt, Aussichtsbalkon fürs Schloss und Brutstätte der einen oder anderen Geistergeschichte. Neugierig auf Archäologie oder den Platz als Hinrichtungsort? Schau im Chatbereich vorbei, dann plaudern wir weiter.



