Schauen Sie mal nach links oben: Dieser mächtige Brocken aus Stein, der da so dramatisch über der Stadt thront, ist Edinburgh Castle. Es sitzt auf einem dunklen Felsen, als hätte jemand ein riesiges Steinschiff auf eine Klippe gesetzt und gesagt: „So, hier bleibst du und passt auf alles auf.“ Die dicken Mauern schmiegen sich an den Felsrand, und ganz oben stehen Türme und Zinnen. Zinnen, das sind diese gezackten Schutzmauern, hinter denen man früher sicher stehen und notfalls sehr entschlossen zurückschauen konnte. Wenn man die Augen ein bisschen zusammenkneift, sieht man fast einen Ritter, der nach Eindringlingen Ausschau hält oder nach dem nächsten Imbiss.
Und jetzt springen wir gedanklich ein paar Jahrhunderte zurück. Diese Burg wacht seit weit über eintausend einhundert Jahren über Edinburgh. Sie steht übrigens auf einem Vulkan. Keine Sorge: Das Feuer kommt heute aus den Geschichten, nicht aus der Lava. Hier oben lebten und kämpften Krieger, Königinnen, Könige und ganz normale Leute. Das erste königliche Schloss entstand hier in der Zeit von Malcolm dem Dritten, im elften Jahrhundert. Danach war die Anlage mal Residenz, mal Festung, ein bisschen wie ein Schweizer Taschenmesser auf Schottisch: für alles gut.
Friedlich war es allerdings selten. In ihrer Geschichte wurde die Burg sechsundzwanzig Mal angegriffen und gilt als der am häufigsten belagerte Ort in Großbritannien. Bei manchen Belagerungen ging sogar das Wasser aus, und man ließ Eimer an Seilen die steile Felswand hinab. Praktisch, aber nervenstark.
Aus den ältesten Zeiten sind nur wenige echte Veteranen übrig: die St Margaret’s Chapel, das älteste Bauwerk Edinburghs, außerdem der Royal Palace und die große Great Hall aus dem sechzehnten Jahrhundert.
Später war die Burg Kaserne, Waffenlager, Schatzkammer und Gefängnis. Und sie bewahrt die Honours of Scotland auf, also die schottischen Kronjuwelen, die ältesten in Großbritannien. Heute hören Sie eher einen Zeremonialkanonenschuss als echtes Kampfgetöse.
Mehr als zwei Millionen Menschen kommen jedes Jahr her. Und als Bühne für das Royal Edinburgh Military Tattoo, ein Militärmusik-Spektakel mit Dudelsäcken und Parade, ist das Schloss ein Nationalsymbol. Bereit weiterzumarschieren? Dann los, das nächste Abenteuer wartet.



