Links von Ihnen liegt die Kathedrale Santa María - oder, etwas feierlicher, die Kirche Unserer Lieben Frau von der Aufnahme. Heute sehen Sie vor allem Ruinen, aber lassen Sie sich davon nicht täuschen: Das hier war über Jahrhunderte so etwas wie die religiöse Schaltzentrale Cartagenas.
Die Diözese ist erstaunlich alt. Es gibt Dokumente, dass bereits im Jahr 516 ein Bischof aus Cartagena, ein gewisser Héctor, bei einem Konzil auftauchte. Das heißt: Während anderswo noch viel improvisiert wurde, lief hier schon Kirchen-Administration. Nur das leicht Frustrierende für Archäologen ist: Für eine frühere Kathedrale aus byzantinischer oder westgotischer Zeit gibt es bisher keine handfesten Reste. Viel Geschichte auf Papier, wenig im Boden.
Im 13. Jahrhundert kommt dann Politik ins Spiel. Nach der christlichen Eroberung wurde die Diözese offiziell wiederhergestellt - mit päpstlichem Segen, in Rom beschlossen, und mit einem ersten Bischof der neuen Phase: dem Franziskaner Pedro Gallego, der auch Beichtvater des Prinzen Alfonso war. Man merkt: Nähe zur Macht hilft, wenn man einen Bischofssitz neu aufstellen will. Trotzdem passierte etwas, das Cartagena bis heute nicht so richtig gut verdaut hat: 1291 wanderte der Bischofssitz nach Murcia ab. Der Name der Diözese blieb zwar „Carthaginense“, aber die eigentliche Zentrale war weg. Cartagena hat über die Jahrhunderte immer wieder in Rom angeklopft und sinngemäß gefragt: „Und, wollt ihr nicht doch zurückkommen?“
Das Gebäude selbst ist auch ein Patchwork. Der sichtbare Bestand wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Architekten Víctor Beltrí stark umgebaut - eher neu gebaut als restauriert, in neoromanischem Stil, mit einem Hauch Modernismus. Und dann dieses schöne Cartagena-Detail: In den Mauern stecken wiederverwendete Steine aus dem römischen Theater. Praktisch gedacht - Recycling, lange bevor es ein Trend war.
Tragisch wird es im 20. Jahrhundert. 1936 wurde die Kirche geplündert, Altäre und Figuren zerstört, später als politisches Gefängnis genutzt. Und dann die Bombardierungen im Bürgerkrieg: Die Dachkonstruktion wurde komplett vernichtet, besonders durch Angriffe der deutschen Legion Condor und der italienischen Luftwaffe. Seit 1939 blieb das Ganze weitgehend verlassen - ein Monument, das nicht romantisch „verfallen“ ist, sondern verwundet.
Ein paar Stücke haben überlebt: Die mittelalterliche Madonna „Virgen del Rosell“ und Salzillo-Figuren wurden gerettet und stehen heute in Santa María de Gracia. Ein englisches Alabaster-Retabel aus dem 14. Jahrhundert ist in Madrid im Archäologischen Nationalmuseum gelandet.
Wenn Sie bereit sind: Zum Römischen Theater laufen Sie jetzt einfach etwa 2 Minuten in Richtung Südwesten.


