Auf deiner linken Seite liegt jetzt das „Barrio del Foro Romano“ - und ja, der Name klingt ein bisschen so, als hätte man hier einfach „Alles, was Rom war“ in ein Paket gesteckt. In Wahrheit passt das ziemlich gut: Du stehst an einem Ort, an dem sich das Alltagsleben von Carthago Nova wie in Schichten übereinandergelegt hat.
Das Herzstück war eine große Ost-West-Straße, ein sogenannter Decumanus. Stell dir eine überdachte Einkaufsstraße vor, mit Säulengängen, Stimmengewirr, Händlerrufen und dem Geruch von Öl, Fisch und Staub in der warmen Luft. Diese Straße verband das Forum mit dem Hafenbereich - also Politik mit Geschäft, perfekt römisch. Was du hier heute siehst, stammt vor allem aus einer großen Umgestaltung im 4. Jahrhundert. Damals machte Kaiser Diokletian die Stadt zur Hauptstadt der Provinz Carthaginensis. Verwaltung zieht Geld an, Geld zieht Bauprojekte an - das funktioniert bis heute erstaunlich zuverlässig. Sogar Reste eines spätkaiserlichen Tores sind zu erkennen, das den Zugang vom Hafen in die Stadt kontrollierte. Ein antiker „Türsteher“, nur ohne Gästeliste.
Von dieser Straße ging es direkt in die Thermen an der heutigen Calle Honda. Das war kein kleines Badehäuschen, sondern ein kompletter Wellness-Komplex: heißes Wasser im Caldarium, eiskalt im Frigidarium, eine Art Sauna in der Sudatio - und eine Palestra, wo man trainierte, bevor man sich geschniegelt ins Wasser legte. Ausgrabungen zeigen, dass hier vom 1. bis ins 7. Jahrhundert hinein Spuren liegen. Als Badehaus lief es wohl bis ins 4. Jahrhundert richtig rund, mit Umbauten im 3. Jahrhundert - wieder diese Zeit, als die Stadt politisch aufgewertet wurde. Später, im 5. Jahrhundert, wurde vieles wiederverwendet: Bausteine und Schmuckteile aus älteren, „augusteischen“ Prachtbauten wanderten in neue Reparaturen. Recycling, bevor es cool war. Und dann: Ende im 6. Jahrhundert. Man fand sogar Münzen aus vandalischer Zeit - kleine Metall-Zeugen dafür, dass die Welt sich hier gerade ziemlich ruckelig veränderte.
Gleich in der Nähe lag auch ein Heiligtum für Isis, die ägyptische Göttin. Mitten im Hof stand ein Tempel mit vier Säulen, dahinter Kapellen und unterirdische Zisternen für Wasser, das in geheimnisvollen Ritualen eine Rolle spielte. Das ist die Sorte Religion, die nicht durch Lautstärke auffällt, sondern durch Atmosphäre.
Und dann dieser große Bau mit Atrium: vermutlich der Sitz eines Collegiums, also einer Art Verein oder Berufsverband - nur mit deutlich besserer Wandmalerei. Viele Räume waren komplett ausgemalt, als hätte man hier Status nicht nur gezeigt, sondern an die Wand tapeziert.
Wenn du bereit bist: Zur Kirche von Santa María de Gracia gehst du einfach etwa 3 Minuten nach Westen.


