Vor dir erkennst du eine helle, neoklassizistische Kirche mit einem runden Grundriss; schau nach oben zur markanten Kuppel und zum ruhigen, symmetrischen Eingangsbereich, der sich klar von den umliegenden Häusern absetzt.
Das hier ist die Real Basílica de Nuestra Señora de la Caridad, und sie wirkt von außen ziemlich gelassen. Drinnen übernimmt dann die Kuppel das Kommando: viel Raum, viel Licht, diese runde Ordnung, die ein bisschen an den römischen Anspruch erinnert, alles im Griff zu haben. Die Konstruktion ist sogar mit Metallstruktur gelöst - nicht das, was man bei einer frommen Stadtkirche sofort erwartet, aber Cartagena war eben Hafenstadt, technisch denkend, praktisch veranlagt.
Der Herzschlag dieses Ortes ist die Virgen de la Caridad, die Schutzpatronin der Stadt. Die Figur, eine Arbeit aus Neapel aus dem 18. Jahrhundert, kam 1723 hierher - und die Cartageneros haben sie ziemlich schnell als letzte Hoffnung ins Team geholt. Wenn die Felder in Dürre lagen, 1789 und nochmal 1821, wandte man sich an sie. Und als 1850 die Cholera umging, war das nicht nur Medizin und Quarantäne, sondern auch ein kollektives, sehr menschliches „Bitte nicht wir als Nächste“.
Spannend ist: Diese Basilika ist eng mit einem Hospital verbunden. 1693 gründete ein Galeerensoldat, Francisco García Roldán, eine Gemeinschaft zur Pflege Kranker - erst in San Roque, später hier in der Straße der Caridad. Die erste Kirche des Hospitals war 1744 fertig, doch der Andrang wurde zu groß. Also entstand im 19. Jahrhundert ein Neubau nach Plänen des Marineingenieurs Tomás de Tallerie, 1893 vollendet, und man hat dabei Elemente der älteren Kirche gerettet, wie Altäre und Rokoko-Ensembles.
Halte, wenn du später reingehst, Ausschau nach Arbeiten aus dem Umfeld von Francisco Salzillo, nach dem Rokoko-Retabel und nach Gemälden von Manuel Ussel de Guimbarda aus dem Jahr 1893. Und ja: Erst 2012 bekam sie offiziell den Titel „Basilika“, also ein recht spätes Upgrade.
Wenn du bereit bist: Die Absolvierten Schulen von Cartagena sind in etwa 3 Minuten zu Fuß erreichbar, geh einfach nach Südosten.



