Direkt vor dir siehst du eine kleine, aus hellem Stein erbaute Kapelle mit einem roten Ziegeldach, auf deren Vorderseite ein eleganter Säulengang mit Bögen das Hauptportal schmückt - halte einfach Ausschau nach der charmanten Fassade mit dem kleinen Rundfenster und der steinernen Kreuzspitze ganz oben.
Stell dir vor, du befindest dich mitten im zwölften Jahrhundert, dicht hinter dicken Stadtmauern, und vor dir ragt die kleine, doch erstaunlich stolze Kapelle Unserer Lieben Frau vom Berg aus dem trockenen Boden auf. Die Sonne brennt, ein leichter Wind weht und irgendwo ganz in der Nähe schnappt ein Esel leise nach einer Möhre. Ursprünglich erbaut im gotischen Stil und als Teil einer sogenannten „Gafaria“, einer Leprakolonie, schützte sie nicht nur den Glauben, sondern auch Menschen, die von der Gesellschaft verstoßen waren. Man kann sagen: Hier war das „Außenseiter-Sein“ Programm - und die Mönche und Leprakranken teilten sich gemeinsam die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Klein, aber oho: Schon im Jahr 1191 gehörte diese Kapelle zur königlichen Kollegiatkirche von Nossa Senhora da Alcáçova. Doch das Schicksal hatte weitere Pläne. Bereits im 14. Jahrhundert wurde sie an die Leprakranken übertragen, die ihren Hospitalbetrieb von der Alcáçova in die Vorstadt verlegen mussten - ein Umzug, der wohl weder mit Umzugswagen noch mit Konfetti gefeiert wurde. Der Grund? Ein handfester Streit mit den Kanonikern von Santa Maria! Man stelle sich die Szene vor: Mönche mit strengen Mienen, Finsterblick und juristischen Texten... und irgendwo im Hintergrund schleicht sich schon der nächste Patient in die Kapelle.
Über Jahrhunderte hinweg wurde das kleine Gotteshaus mehrfach umgebaut und erweitert. Besonders der 16. Jahrhundert scheint ein wahrer Baustellen-Albtraum gewesen zu sein: Erst wurde das wunderschöne manuelinische Nischchen eingebaut, dann ein grandioser Gewölbechor hinzugefügt und schließlich, im Auftrag reicher Wohltäter, ein neuer Dreilappenbogen für das Portal sowie der langgezogene Säulengang, den du gerade siehst. Du könntest fast meinen, sie hätten auf Dauerbaustelle gemacht, nur ohne Baustellenradio!
Im Inneren erwartet dich eine schlichte, einschiffige Halle. Die Wände zieren elegante Muster aus jahrhundertealten Kachelfliesen. Vielleicht spürst du beim Betreten den kühlen Hauch der Geschichte, während das Licht schräg durch die kleinen Rosettenfenster und auf eine Skulptur der Jungfrau Maria fällt, deren Gesicht seit dem 16. Jahrhundert über die Kapelle wacht. Und falls du auf Entdeckungsreise gehst: Suche das Becken für das Weihwasser aus dem 15. Jahrhundert - es hat schon vielen Wanderern Glück gebracht.
Heute hat hier die Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde ihr Zuhause gefunden. So wird ein Ort, der einst Zuflucht für Verstoßene war, nun von neuen Gemeinschaften mit Leben gefüllt. Wer weiß, vielleicht hörst du im Innern noch das leise Flüstern vergangener Jahrhunderte, ein Echo der Hoffnung, das bis heute weiterklingt.
Und jetzt, lieber Besucher, tritt ein - aber pass auf die niedrige Decke auf, hier haben die Architekten damals wohl gespart!



