Schau jetzt nach rechts: Vor dir erhebt sich ein mächtiger, cremefarbener Steinbogen mit hohen Säulen und einer ganzen Reihe Statuen ganz oben, wie eine steinerne Bühne vor dem Himmel.
Das ist der Arco da Rua Augusta, Lissabons ziemlich selbstbewusste Art zu sagen: „Ja, das war schlimm damals, aber sieh uns jetzt an.“ Der Bogen steht am Rand der Praça do Comércio und erinnert an den Wiederaufbau der Stadt nach dem verheerenden Erdbeben von 1755, als Teile Lissabons einstürzten, brannten und vom Wasser zusätzlich mitgenommen wurden. Stell dir den Geruch von Rauch und Staub vor, das Krachen von Stein, und dann die Stille danach. Und in diese Stille hinein kam der Wille, alles neu zu ordnen.
Wenn du nach oben schaust, merkst du: Das Ding wirkt schwer. Das liegt auch daran, dass der Aufbau über dem Bogen extrem hoch ist, wie ein steinernes „Wir meinen’s ernst“. Dadurch mussten die Figuren oben riesig ausfallen, sonst würden sie von unten aussehen wie zufällig platzierte Dekoration. Ganz oben thront eine allegorische Szene: „Ruhm“ belohnt „Tapferkeit“ und „Genie“ - ein Konzept, das ungefähr so subtil ist wie ein Feuerwerk am Mittag. Ruhm trägt Gewand, steht auf einem dreistufigen Thron und hält gleich zwei Kronen, falls eine nicht reicht. Tapferkeit kommt als Amazonenfigur mit Helm, und beim „Genie“ versteckt sich sogar Jupiter als Hinweis auf göttliche Unterstützung für Kunst und Schrift.
Unterhalb davon stehen Portugals große Namen über den Säulen: unter anderem Vasco da Gama und der Marquis von Pombal, der den Wiederaufbau maßgeblich durchgezogen hat. Und unten liegen zwei Flussgötter entspannt herum: Tejo und Douro, als wollten sie sagen, sie hätten das Drama schon schlimmer gesehen.
Fun Fact: Dieser Bogen hat’s sogar ins Fernsehen geschafft - als Kulisse, durch die Gulliver von den Lilliputanern gerollt wurde. Wenn du genau hinschaust, wirkt das plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Wenn du soweit bist: Zur Praça do Comércio gehst du einfach 5 Minuten nach Süden.



