Und da sind wir... am Ende unseres Spaziergangs durch Krakau.
Los ging es bei Sankt Peter und Paul: ein Auftritt mit ordentlich Theater, und gleich daneben Sankt Andreas als ruhige, fast störrische Gegenstimme. Vom Górka Palast aus sind wir Richtung Wawel gezogen, auf jenen Hügel, auf dem Könige, Bischöfe und eine beachtliche Menge Ehrgeiz gelernt haben, sich irgendwie zu arrangieren. Wir standen an der Kathedrale, haben von der Sandomierska-Turmspitze hinübergeschaut, und danach durften die Boulevards an der Weichsel die Sache ein bisschen entspannen. Das ist so ein typisches Krakau-Talent: Es kann groß auftrumpfen... und dann einfach zulassen, dass man nur geht.
Dann hat die Geschichte die Form gewechselt. Im Archäologischen Museum sind wir in die ältere Erinnerung der Stadt hinabgestiegen. Und der Rathausturm hat den Hauptmarkt bewacht wie ein Überlebender mit sehr langem Gedächtnis und, ich vermute, einer kleinen Portion Haltung. Kann man ihm kaum übelnehmen. Mitten in Krakau haben uns Marienkirche und Sankt Barbara gezeigt, wie viele Gesichter Glaube hier haben kann: laut und leise, öffentlich und ganz persönlich. Und im Collegium Maius und im Collegium Witkowskiego hat die Stadt auf Lernen umgeschaltet... dort, wo Ideen ausprobiert, zerlegt, diskutiert und vermutlich durch Kaffee gelegentlich gerettet wurden. Zur Orientierung: Ein Collegium ist schlicht ein Universitätsgebäude, also ein Haus fürs Denken.
Das ist das Besondere hier: Krakau ist nie nur eine einzige Erzählung. Es ist Stein und Gesang, Gebet und Macht, Flussufer und Hörsaal. Stolz, Trauer, Schönheit, Lärm, Verlust... und eine sehr polnische Art von Durchhalten. Keine schlechte Lektion.
Wenn wir uns jetzt verabschieden, hoffe ich, Sie nehmen mehr mit als Daten und Namen. Vielleicht das Geräusch der eigenen Schritte zwischen Kirchen und Innenhöfen... die Silhouetten der Türme über den Dächern... und das Gefühl, dass Geschichte nicht hinter Glas eingeschlossen ist, sondern direkt neben Ihnen steht. Meistens in sehr solider Bauweise.
Danke, dass Sie mit mir unterwegs waren. Von Aposteln zu Burgen, von Glocken zu Büchern... wir haben eine Stadt durchquert, die sich erinnert und Platz für neue Erinnerungen lässt. Wenn man genau hinhört, bleibt Krakau bei einem... nicht laut, nicht auf einmal, aber stetig... wie eine Melodie, die man später plötzlich vor sich hin summt. Bis zum nächsten Mal.


