Zu Ihrer Linken sehen Sie den Ort, an dem das PalaBasletta Geschichte schrieb. Ein wahrer Tempel des Basketballs. Und wie nennt man so eine Pilgerstätte für großgewachsene Männer, die Bälle in Körbe werfen? Man benennt sie natürlich nach Giulio Basletta, einem Fechter, der bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam eine Goldmedaille mit dem Degen gewann. Sehr logisch.
Aber genau diese Art von ungewöhnlicher Ambition zieht sich durch die Geschichte dieses Ortes. Was in den frühen sechziger Jahren als einfache städtische Turnhalle namens Carducci-Halle begann, verwandelte sich in eine Arena der Extreme. Als die lokale Mannschaft 1978 in die Serie A1, die höchste italienische Spielklasse, aufstieg, musste die Halle drastisch umgebaut werden. Neue Tribünen wurden an drei Seiten hochgezogen, um Tausende von Fans aufzunehmen.
Die Architektur war spartanisch, fast brutal in ihrer Einfachheit, aber sie fing den Lärm ein wie eine riesige Echokammer. In den neunziger Jahren taufte der legendäre Trainer Romano Petitti die Halle den Saloniki Italiens. Das lag nicht an der Architektur. Es lag an den Ultras, den extremsten und lautstärksten Anhängern des Vereins. Die Atmosphäre war so einschüchternd, laut und geradezu feindselig, dass selbst die berühmtesten gegnerischen Mannschaften regelrecht Angst hatten, das Spielfeld zu betreten.
Dieses Gebäude war Schauplatz absurder persönlicher Triumphe. Nehmen wir die Saison 1995. Vigevano lag gegen Imola mit fünfzehn Punkten zurück. Eine absolute Katastrophe bahnte sich an. Trainer Petitti schickte in seiner Verzweiflung den Spieler Michele Zanatta aufs Feld. Zanatta war ein Rebell, der dafür bekannt war, ständig mit der lokalen Presse zu streiten. Was dann passierte, war pure Magie. Zanatta warf einundzwanzig Punkte, krönte das Spiel mit einer unglaublichen Drei-Punkte-Aktion im letzten Moment und brachte die Halle zum Überkochen. Sein erster Weg nach dem Spiel? Er stürmte frisch geduscht in den Presseraum, wedelte mit einem Zeitungsausschnitt und verspottete ironisch genau die Journalisten, die ihn zuvor kritisiert hatten.
Doch die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Vorschriften. Schon 1984 führte die Einführung der Drei-Punkte-Linie, die das Spielfeld vergrößerte, zu einem Verlust von Sitzplätzen. Irgendwann entsprach die alte Halle nicht mehr den Anforderungen des modernen Profisports. Im Februar 2024 rollten schließlich die Bagger an, um Platz für einen umweltfreundlichen Neubau mit geschwungenem Wellendach und Erdwärmenutzung zu machen.
Die echten Fans ließen ihren geliebten Hangar jedoch nicht einfach so verschwinden. In einer Auktion ersteigerten sie Stücke des historischen dunklen Parketts, auf dem amerikanische Legenden wie Clayde Mayes gespielt hatten. Der gesamte Erlös finanzierte inklusive Sportprojekte für Jugendliche vor Ort. Eine schöne Geste, auch wenn die benachbarten Schüler der Bussi-Mittelschule durch den Abriss plötzlich ohne Turnhalle für den Sportunterricht dastanden und die Stadtverwaltung in helle Panik versetzten.
Falls Sie übrigens jemals das Bedürfnis haben, diesen Ort zu ungewöhnlichen Zeiten zu besuchen, die Einrichtung ist seltsamerweise jeden Tag exakt von 1:52 Uhr bis 4:51 Uhr am frühen Morgen geöffnet.
Vom ohrenbetäubenden Jubel dieser Sporthalle suchen wir nun die stille Erhabenheit des spirituellen Zentrums der Stadt, also machen wir uns auf den sechsminütigen Spaziergang zur Kathedrale von Sant Ambrogio.



