
Zu Ihrer Rechten sehen Sie einen massiven Bau aus rotem Backstein mit eleganten Spitzbogenfenstern, einem markanten quadratischen Turm und einem von grauen Steinquadern eingefassten Durchgang. Willkommen an der Malaspina Kunstgalerie. Hier spürt man sehr deutlich, wie sehr Menschen danach streben, etwas Dauerhaftes zu hinterlassen, einen Namen, der die Jahrhunderte überdauert. Für den Marquis Luigi Malaspina war dieser Weg nicht von Waffen oder rücksichtsloser Herrschaft geprägt, sondern von der Kunst.
Dieser Marquis war ein weit gereister Mann der Aufklärung, jener großen geistigen Bewegung des achtzehnten Jahrhunderts, die das Wissen und den Verstand in den Mittelpunkt stellte. Sein ehrgeiziges Ziel war es, eine Sammlung aufzubauen, die die gesamte Entwicklung der Malerei von Giotto bis ins achtzehnte Jahrhundert aufzeigt. Er entwarf sogar selbst das erste Gebäude dafür. Er verstarb im Jahr 1835, drei Jahre bevor sein Lebenswerk für die Öffentlichkeit zugänglich wurde. Doch sein Name blieb lebendig. Im Jahr 1951 fand seine wertvolle Sammlung schließlich hier, in den starken Mauern des Castello Visconteo, ein neues Zuhause.
Mit diesem Umzug vermischte sich seine feine Kunst plötzlich mit den alten, geheimnisvollen Legenden der Burg. In den fünfziger Jahren brach in Pavia eine regelrechte Goldgräberstimmung aus. Zeitungen berichteten von Scharen von Kindern, die mit Schaufeln bewaffnet rund um das Schloss gruben. Sie suchten nach einem sagenumwobenen, geheimen unterirdischen Tunnel, der das Schloss mit dem weit entfernten Kloster der Certosa verbinden sollte. Solche geheimen Fluchtwege waren früher oft die letzte Rettung für Herrscher, um ihre Herrschaft und ihr Leben in Krisenzeiten zu sichern, doch dieser Gang wurde hier nie gefunden.
Andere wiederum versuchten auf kriminelle Weise, sich einen Teil dieses wertvollen Erbes anzueignen. In der Nacht des zehnten Mai 1970 schlüpften Diebe an allen Alarmsystemen vorbei und stahlen drei unschätzbare Meisterwerke aus der Galerie. Eines der gestohlenen Bilder war das berühmte Porträt eines Mannes von Antonello da Messina. Der Marquis hatte dieses kleine Gemälde auf Walnussholz einst gekauft, weil er es für ein Selbstporträt des Malers hielt. Ihn faszinierte ein raffiniertes Detail. Die Signatur des Künstlers war nicht einfach in das Bild gemalt, sondern schien detailgetreu in die hölzerne Brüstung des Motivs eingeritzt zu sein, ganz im Stil der alten flämischen Meister. Es dauerte sieben lange Jahre, bis dieses unersetzliche Stück wieder auftauchte, erstaunlicherweise einfach zurückgelassen am römischen Bahnhof Tiburtina.
Wenn Sie die Säle betreten, werden Sie auch auf das riesige Holzmodell aus dem Jahr 1497 stoßen, das Sie vielleicht vorhin auf Ihrem Bildschirm gesehen haben. Es zeigt, wie der Dom von Pavia ursprünglich aussehen sollte, und hält die architektonischen Visionen von Meistern wie Leonardo da Vinci und Bramante fest. Es ist wahrlich faszinierend zu sehen, wie all diese großen Ambitionen und Träume hier versammelt sind. Das umliegende Areal der Galerie ist übrigens praktischerweise jeden Tag rund um die Uhr geöffnet, sodass Sie dieses historische Flair jederzeit auf sich wirken lassen können. Treten Sie nun ruhig etwas näher an die Anlage heran und lassen Sie uns das gewaltige Castello Visconteo selbst erkunden, das nur eine Minute Fußweg direkt vor uns liegt.


