Direkt vor dir erhebt sich der Brunnen der Proserpina mit seinem dramatischen Skulpturensemble: Achte auf das große steinerne Becken, aus dem wilde Meerespferde emporsteigen, während auf dem felsigen Sockel darüber zwei Figuren in dramatischer Umarmung in den Himmel ragen - das ist der Moment, in dem Hades die schöne Proserpina raubt!
Jetzt stell dir vor, wie das Leben hier im Jahr 1904 aussah: Die alte Stazione Centrale von Catania war noch ganz jung, und rings um den Brunnen gab es wenig außer staubigen Wegen und dampfenden Lokomotiven. Der Bildhauer Giulio Moschetti bekam den Auftrag, diesen Platz mit einer echten Monumentalfontäne zu schmücken - und wie du siehst, hat er offenbar beschlossen, es damit ordentlich krachen zu lassen. Warum eine griechische Göttin? Nun, laut Sage wohnte Proserpina, Tochter der Erdgöttin Demeter, ganz in der Nähe - und wurde direkt in Sizilien von Hades entführt! War wohl einfach zu sonnig für ihn da unten in der Unterwelt, da brauchte er Verstärkung.
Versuch mal, das Getrappel der antiken Pferde zu hören, die sich um den Brunnen scharen. Es sind Wasserrösser, die halb zwischen Mythos und Wasserpflanzen stecken - hätten sie Flossen und Neptuns Dreizack, würde niemand sich wundern. Oben auf dem Felsen packt Hades immer noch Proserpinas Arm (der Kerl war ganz schön fest entschlossen…), während sie sich verzweifelt ausstreckt - klar als würde sie nach Hilfe rufen, oder vielleicht winkt sie jemandem zum Abschied. Es ist ein Moment voller Dramatik, eingefroren in Stein. Falls du dich fragst, warum sie später doch wieder auf die Erde durfte: Hades und Schwiegermama Demeter haben sich auf einen Deal geeinigt. Jedes Jahr bekommt Catania den Frühling und Sommer zurück - und Proserpina verlässt die düsteren Unterweltferien.
Übrigens: Die Wahl des Themas ist kein Zufall. Rund ein Jahrhundert zuvor hatte der palermitanische Bildhauer Giuseppe Orlando schon der Muttergöttin Demeter in Catania einen Brunnen gewidmet. Offenbar lieben es die Einwohner hier, wenn ihre Göttinnen ordentlich Wasser verspritzen! Moschetti entschied sich außerdem ganz mutig für Zement als Baumaterial - klingt heute nicht spektakulär, war damals aber fast avantgardistisch. Deshalb sieht die Fontäne bis heute fast ein wenig frech und modern aus, gerade mit der großen, unregelmäßig geformten Beckenlandschaft.
Heute ist der Brunnen nicht nur ein Treffpunkt und Fotomagnet, sondern ein sprudelndes Symbol für Reisen, Sehnsucht und das ewige Spiel zwischen Licht und Schatten. Schau dir ruhig all die kleinen Details an: Sirenen recken sich aus dem Wasser, die Pferdeaugen funkeln, und vielleicht entdeckst du sogar, wie das Licht auf den Wasserstrahlen tanzt. Kein Wunder, dass die Leute von Catania ihren dramatischen Göttinnenbrunnen lieben - hier gibt’s Mythos, Kunst und ganz viel sizilianisches Temperament mit jeder Wasserfontäne!




